Der Avers: Ein Prachtkerl von Kaiser

 


Follis des Kostantin (Avers), Trier, 310-313 n. Chr.,
Universität Heidelberg Inv. N73062
RIC VI Treveri 866a

Die Vorderseite der Bronzemünze zeigt die Büste Kaiser Konstantins, also seinen Kopf einschließlich des Schulter- und Brustbereiches. Er blickt nach rechts, sodass die Büste nur von der Seite sichtbar ist. Man erkennt ein längliches Gesicht mit einer prägnanten, spitz zulaufenden Nase sowie einem rundlichen, beinahe opulenten Kiefer. Auge, Braue und Ohr sind äußerst plastisch hervorgehoben. Die kurz geschnittenen Haare fallen gleichmäßig in dieselbe Richtung und gruppieren sich über der Stirn zu kleinen, leicht gelockten Bündeln, die dem Gesicht einen abgerundeten Rahmen bieten. Diese Gesichtsform und einzelne Aspekte wie die Barttracht variieren allerdings von Münze zu Münze. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass der Typus über einen langen Zeitraum von etwa acht Jahren in den unterschiedlichsten Teilen des Landes von verschiedenen Städten geprägt wurde.

Viel aussagekräftiger ist daher die Bildsprache seiner Attribute: Der Lorbeerkranz um seine Schläfen ist am Hinterkopf mit einem Schmuckband zusammengebunden und zeichnet den Kaiser als eben solchen aus. Noch während der Tetrarchie war die Strahlenkrone als Kopfbedeckung üblich gewesen. Nachdem Konstantin zunächst wieder primär auf den Lorbeerkranz zurückgriff, wich 10 Jahre später auch dieser – noch während seiner Herrschaft – nach und nach dem Diadem. Manche Münzen zeigen den Kaiser sogar mit Helm.

An seiner linken Schulter lassen sich die Lederstriemen eines Brustpanzers erkennen. Konstantin weist somit sehr bewusst auf seine Funktion als Feldherr hin. Dies sollte kaum verwundern, bedenkt man die zahlreichen militärischen Konflikte, die ihm den Weg zur Alleinherrschaft ebneten und zu diesem Zeitpunkt teilweise noch vor ihm lagen.

Strahlenkrone (Die Aufnahme in schwarz-weiß wird dem eigentlich goldenen Nominal nicht gerecht.)

Binio des Kostantin (Avers), Trier 306 n. Chr., Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Obj. 18200807; RIC VI 615

Helm

 

 

Solidus des Konstantin (Avers), Trier 309-310 n. Chr., Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Obj. 18202521; RIC VI Treveri 805

Lorbeerkranz

 

 

Follis des Kostantin (Avers), Trier 310-313 n. Chr.,
Universität Heidelberg Inv. N73062; RIC VI Treveri 866a

Diadem

 

 

Solidus des Konstantin (Avers), Thessaloniki 327 n. Chr., KHM Wien, Obj. ID84452; RIC VII Thessalonica 163

 

Zuletzt noch ein Blick auf die Legende: Entlang des Münzrandes zieht sich der Schriftzug IMP CONSTANTINVS AVG. Dabei handelt es sich um Namen und Titulatur des Konstantin. Da solche Titel in der Regel erst einmal durch ein bestimmtes Handeln errungen bzw. durch den Senat verliehen werden müssen, verändert sich diese Umschrift stetig. So entstehende Veränderungen können genutzt werden, um die Münze zu datieren.

Das IMP lässt sich hier zur offiziellen Ausrufung „Imperator“ ergänzen und bedeutet so viel wie oberster Feldherr, eine Assoziation, die Konstantin ja bereits durch sein Portrait zu wecken gesucht. CONSTANTINVS stellt lediglich die latinisierte Form seines Namens dar. Die drei Buchstaben AVG kürzen den Titel „Augustus“ ab – somit besitzt Konstantin die höchste Herrschaftsbezeichnung als Kaiser und stellt sich im Gefüge der Tetrarchie über die Caesaren.

Konstantin beansprucht also seine Stellung als oberster Herrscher, gibt sich als fähiger Feldherr und wagt mit dem Lorbeerkranz eine gewisse Innovation im etablierten Kaiserbild  – oder vielleicht eher einen Retroeffekt – hatten sich die Kaiser in den früheren Jahrhunderten doch stets mit dem Lorbeerkranz dargestellt.

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Jonas Wendtland, 5. Bachelorsemester, Universität Heidelberg

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