Ariadne und der Faden

Theseus beschließt das tragische Schicksal der jährlich geopferten Athener Jugend zu durchbrechen. Als der nächste Tribut fällig wird, meldet er sich freiwillig, um als Vertreter Athens mit den übrigen Jugendlichen nach Kreta zu reisen. Sein Ziel ist es, das Labyrinth zu überwinden, den Minotauros zu töten und damit die Unterwerfung Athens zu beenden.

In Kreta angekommen, begegnet Theseus Ariadne, der Tochter der Pasiphaë und des Minos, die sich in den jungen Helden verliebt und zur entscheidenden Akteurin der Rettung wird. Sie übergibt ihm einen Faden, der ihn aus dem Labyrinth herausführen soll – einem Bauwerk des legendären Baumeisters Daidalos, das als architektonisches Meisterwerk und zugleich als symbolischer Raum des Irrens und der Desorientierung verstanden wurde, aus dem noch niemand zuvor zurückgekehrt war.

Silberstater aus Knossos (ca. 400-350 v. Chr.) mit einem Frauenkopf mit Schmuck und einem quadratischen Mäanderband (Avers) und dem König Minos auf einem Thron mit Zepter (Revers). [J. Friedländer, Minos, ZfN 6, 1879, 232]

© Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Dirk Sonnenwald

 

Das Labyrinth gilt in der antiken Vorstellung nicht nur als technische Wunderleistung, sondern auch als mythologischer Topos für den chaotischen, schwer durchschaubaren Lebensweg, aus dem nur Klugheit und Orientierungssinn herausführen. Auch auf Münzen findet sich dieser Bezug immer wieder.

 

Silberstater aus Knossos (ca. 350-220 v. Chr.) mit dem Kopf der Hera (oder Ariadne?) mit Kranz (stephanos) (Avers) und dem Labyrinth des Minotauros (Revers). [BMC 24]

© Kunsthistorisches Museum Österreich, Münzkabinett / Margit Redl

 

 

 

Marie E. Wörner, 1. Semester M.A. Classics (Universität Heidelberg)

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