Janustempel: Fälschung und Original

Nicht jede antik anmutende Münze ist auch tatsächlich antik. Bereits seit der Renaissance wurden antike Münzen systematisch gefälscht.

Grundsätzlich lassen sich Fälschungen in zwei Kategorien unterscheiden:

(Antike) Geldfälschungen entstanden bereits in der Antike und zwar meist aus wirtschaftlichen Motiven. Häufig handelt es sich bei diesen Fälschungen um sogenannte Subaerate, das heißt Münzen mit einem Kern aus unedlem Metall wie Kupfer oder Bronze, der mit einer dünnen Silber- oder Goldschicht überzogen wurde. Diese Fälschungen zirkulierten im regulären Geldumlauf und sollten den Fälschern einen unmittelbaren Materialgewinn verschaffen. Speziell im 3. Jh. glichen unedle mit dünnem Silber überzogene Münzen aber auch den Mangel an regulärem Kleingeld aus, mit dem die Regionen im Norden des Römischen Reiches nicht mehr in ausreichendem Maße versorgt waren. In diesem Fall nennt man die Münzen "Imitationen". 

Neuzeitliche "Sammlerfälschungen" entstanden seit der Renaissance für den Antiquitätenmarkt. Während auch hier wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielten, unterscheiden sich die Motive gänzlich. Die Fälschungen wurden beispielsweise zur Ergänzung von Sammlungslücken, Herstellung von Studienobjekten für Universitäten, kommerzielle Täuschung wohlhabender Sammler oder zum Zweck der künstlerischen Übung hergestellt. Anders als bei antiken Fälschungen ging es weniger um den Metallwert, sondern um den historischen bzw. numismatischen Sammlerwert. Besonders im 17. und 18. Jahrhundert erlebte diese Praxis eine Blütezeit.

Trotz unterschiedlicher Mechanismen bleibt der Grundimpuls derselbe: Wo Nachfrage besteht – sei es nach Edelmetall oder nach begehrten Sammlerstücken – entsteht auch ein Markt.

Ein anschauliches Beispiel für eine solche neuzeitliche Fälschung findet sich im ältesten Teil der Heidelberger Münzsammlung, dem sog. Antiquarium Creuzerianum.


Bildunterschrift: Fälschung eines As des Nero, vor 1800, Münzsammlung der
Universität Heidelberg
, Inv.-Nr. N15272
Avers: Kopf des Nero
Revers: Janustempel mit geschlossenen Toren

Bei dieser Fälschung handelt es sich um einen vermeintlichen As des Kaisers Nero, der den Kopf des Nero mit Lorbeerkranz auf dem Avers und den Janustempel mit geschlossener Tür auf dem Revers zeigt.

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Für die Identifikation von Fälschungen sind mehrere Kriterien relevant. Antike Münzen wurden geprägt, also durch Hammerschlag zwischen zwei Stempeln hergestellt, während viele neuzeitliche Fälschungen, wie beispielsweise sog. Paduaner, gegossen wurden. Guss hinterlässt charakteristische Spuren wie porösere Oberflächen, weniger scharfe Konturen, kleine Luftblasen und einen typischen Gusskanal oder -zapfen. Auch Stil und Ikonographie können Hinweise geben: Fälscher orientierten sich oft an Vorlagen aus Münzkatalogen oder Stichwerken, verstanden aber nicht immer die feinen Details antiker Stempelschneidekunst, sodass Buchstabenformen, Proportionen oder ikonographische Details vom antiken Standard abweichen können. Die Legierungszusammensetzung und das Gewicht liefern ebenfalls Anhaltspunkte, sind aber allein kein sicheres Kriterium, da geschickte Fälscher, wie etwa Karl Wilhelm Becker, auch hier antike Vorbilder imitierten. Schließlich spielt die Patina eine Rolle: Die natürliche Oberflächenveränderung antiker Bronzen entsteht über Jahrhunderte, während künstlich erzeugte Patina oft gleichmäßiger wirkt oder chemisch anders zusammengesetzt ist.

Fälschungen sind keineswegs prinzipiell wertlos. Sie dokumentieren das antiquarische Interesse der Frühen Neuzeit und die Geschichte des Sammelns. Zudem schärfen sie den Blick für Echtheitskriterien.

 

Benjamin van der Starre, 2. Mastersemester (Universität Heidelberg)

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