Die Säkularspiele 

 

Antoninian für Otacilia Severa, 248 n. Chr., Münzsammlung der Universität Heidelberg

Der Revers zeigt ein Nilpferd mit der Legende SAECVLARES AVGG.

 

Mit dieser im Jahre 248 n. Chr. geprägten Münze wird ganz klar auf die Säkularspiele (ludi saeculares) verwiesen: Sie werden in der Legende sogar namentlich genannt. Das ganze Münzbild kann somit als Kommemoration dieser Veranstaltung gedeutet werden.


Rekonstruktion des Marsfelds (Campus Martius) in Rom.

Warum man eine solche Veranstaltung besonders im kollektiven Gedächtnis verankern wollte, erklärt sich durch ihre symbolische Bedeutung: Die Säkularfeier, von der die Säkularspiele nur ein Teil waren, war ein traditionell auf dem Marsfeld abgehaltener, stark allegorisch aufgeladener religiöser Ritus, der unter anderem das Fortbestehen der Stadt Rom sowie den Beginn einer neuen Ära symbolisieren konnte. Verbunden wurde der rituelle Teil der Veranstaltung jedoch, ganz in der Tradition der Ludi publici, stets mit den danach stattfindenden Spielen. Diese umfassten sowohl Theaterstücke, Gladiatorenspiele, Wagenrennen als auch Umzüge und Tierhetzen. So erklärt sich also auch die Darstellung des Nilpferds auf der Münze.

Die Geschichte der Säkularfeiern ist schwer zu rekonstruieren. Ihren Ursprung findet die Feier in einer Geschichte, die in der mythischen Vergangenheit Italiens angesiedelt wird: Ein Mann musste, um seine schwer erkrankten Kinder zu retten, den Göttern der Unterwelt Proserpina und Dis Pater ein Opfer darbringen. Während der Römischen Republik orientierte sich die Ausrichtung der Feiern stark an diesem Mythos. Es können in dieser Zeit jedoch nur zwei solcher Säkularfeiern nachgewiesen werden:  249 v. Chr. und 146 v. Chr., also einem Intervall von circa hundert Jahren folgend.

17 n. Chr. fanden dann unter Kaiser Augustus erneut Säkularspiele statt – gänzlich außerhalb des eigentlichen Rhythmus. Den daraus entstehenden Legitimationsbedarf dieser Veranstaltung deckte Augustus durch eine Neuauslegung der Sibyllinischen Bücher und etablierte fortwährend eine Veranstaltung der Säkularfeier alle 110 Jahre. Wie genau dies zustande kam, erfahrt ihr hier. Der Rückgriff auf die Sibyllinischen Bücher sowie auf eine republikanische Vergangenheit, können jedoch als Mittel der politischen Legitimation gesehen werden. Die hierbei durch Augustus angebrachte Chronologie der vorherigen Säkularfeiern ist jedoch auf Basis der uns überlieferten Quellen nicht zu rekonstruieren und gilt somit zumeist als fiktiv.

Aureus des Augustus, geprägt zum Anlass der Säkularspiele. Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Inv. Nr. 18206806.

Der Avers zeigt Augustus nach rechts blickend mit der Legende CAESAR AVGVSTVS.

Der Revers zeigt einen Altar mit der Inschrift LUDI SAECVL sowie einen Herold und einen Togatus.

So hatte der Zeitpunkt der Veranstaltung repräsentative Zwecke: Er ermöglichte für das junge augusteische Regime eine religiöse Einbettung und Legitimation bisheriger Taten, wobei auch Augustus‘ Rolle als Erneuerer der Republik bestärkt werden konnte.  Der Gedanke des saeculum verwies dabei also nicht nur auf den Beginn einer Ära des Friedens, sondern auch auf das Fortbestehen der eigenen Dynastie und dem Wahren des Friedens mit den Göttern. Diese durch Augustus etablierten Vorstellungen tradierten sich später in den Säkularfeiern nachfolgender Kaiser.  

Aufgrund Augustus’ Betonung von Dynastie und Fortbestand verschob sich auch der religiöse Fokus der Feier: Anstatt den Göttern der Unterwelt zu opfern, werden nun Gaben an die Moirai, Ilithyia und Terra Mater während der Nacht und Jupiter, Juno, Apollo und Diana während des Tages erbracht; Götter, die mit Fruchtbarkeit und Bestand assoziiert wurden. Inwiefern der Fokus auf das Fortbestehen der eigenen Lebenswelt und Stabilität Frauen eine größere Bedeutung zukommen ließ, erfahrt ihr hier.

Der rituelle Aspekt der Feier wurde jedoch auch stets mit der Veranstaltung von Spielen verbunden. Möglicherweise waren es sogar erst die Spiele, die ein Opfer und Gebet als Säkularopfer und Säkulargebet lesbar machten. Die Spiele boten dabei dem generell sehr wandelbaren und anpassungsfähigen Charakter der ludi saeculares eine weitere Möglichkeit der ästhetischen Gestaltung und damit dem Eingehen auf die jeweilige gegenwärtige Situation.

Die Veranstaltung solcher Feiern und Spiele hatte nämlich nicht nur rein kultische Funktion, sondern war auch immer ein Mittel der politischen Repräsentation und Konsensbildung: Die Säkularfeier erlaubte zum Beispiel die Hervorhebung des gegenwärtigen, als glücklich dargestellten Zustandes durch den Beginn einer neuen Ära, sowie einen besonderen Fokus auf den Kaiser und dessen Familie als Faktor der Stabilität. Diese einmalige Chance der Repräsentation führte jedoch zu Problemen, da Kaiser sie auch außerhalb der eigentlichen Chronologie der Spiele beanspruchen wollten – so kam es zu verschiedenen Veranstaltungen von Säkularfeiern außerhalb des durch Augustus festgelegten Zeitraums. Auch der Revers der Münze mit dem Nilpferd oben und ihr Avers, den wir hier unten auf der Seite sehen, entstand aufgrund einer solchen, letztlich irregulären Säkularfeier. Mehr könnt ihr hier erfahren.

Antoninian des Philippus Arabs für Otacilia Severa, 248 n. Chr., Münzsammlung der Universität Heidelberg.

Der Avers zeigt Marcia Otacilia Severa, die Frau des Philippus Arabs, mit Diadem nach rechts. Legende: OTACIL SEVERA AVG.

Die den Säkularfeiern inhärente politische Kommunikation und Fähigkeit der Konsensgenerierung bot sich demnach auch Kaiser Phillippus Arabs, zu dessen Regierungszeit die Münze mit dem Nilpferd geprägt wurde, an: Beachtet man die Datierung, die die Veranstaltung der Säkularfeier mitten in die Krise des dritten Jahrhunderts verortet, so ist es kaum verwunderlich, dass er sich als Herrscher auf  innenpolitischen Konsens, Beständigkeit der eigenen Dynastie und schlussendlich auch auf die Idee eines glücklichen Zeitalters berufen wollte.

 

 

Sophia Kiefer, 4. Semester, Universität Heidelberg. 

 

 

 

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