Der letzte Übeltäter, dem Theseus vor seiner Ankunft in Athen begegnet, ist Prokrustes. Dieser lebte in Attika und besaß einen Hammer. Apollodor (Apollod. epit. I 4) und Hygin (Hyg. fab. 38) berichten davon, dass Prokrustes zwei Betten hatte, ein kurzes und ein langes. Wann immer Reisende an ihm vorbeikamen, zwang er sie, bei ihm zu übernachten. Die großen Gäste mussten sich dabei in das kleine Bett legen und die kleinen in das große. Anschließend traktierte Prokrustes sie so lange mit seinem Hammer, bis sie in die Betten passten.
In der Version von Diodor (Diod. IV 59) handelt es sich nur um ein einziges Riesenbett. Da das griechische Wort prokrouein „strecken“ bedeutet, ist es naheliegend, dass die Gliedmaßen der Opfer ursprünglich nur „gestreckt“, nicht aber auch „gekürzt“ wurden. Meist lassen die antiken Autoren offen, wie Theseus den Prokrustes besiegte. In Analogie zu den anderen Taten ist es jedoch naheliegend, dass Theseus ihn nach Art der Talion tötete, sodass Prokrustes denselben Tod starb wie zuvor seine Gäste.
Meret Reinköster, 7. Bachelorsemester Alte Geschichte (Universität Heidelberg)