Entwicklung verschiedener Geldformen


1,20 m lange Eisenoboloi,
gefunden im Heraion von Argos,
ausgestellt im Numismatischen Museum Athen.
Illustriert von Lara Kunze.
Klicke auf das Bild, um ein Foto der Spieße
zu sehen!

In „Der Ursprung des Geldes“ hast du schon von frühen Tauschmitteln wie Hacksilber gehört. Das war allerdings nicht die einzige Geldform, die vor einer weiten Verbreitung von Münzen im Raum Griechenlands verwendet wurde. Hier lernst du ein paar andere interessante Formen kennen!

Die Namensgebung der verschiedenen Münznominale wie Drachme und Obole scheinen auf frühere Eisenspieße zurückzuführen zu sein. Obelos ist altgriechisch für Spieß, und Drachme  bedeutet so viel wie „eine Handvoll“. Eine Drachme war gleich viel wert wie sechs Obolen, wahrscheinlich, weil man so viele Spieße mit einer Hand greifen konnte.

Einige dieser Spieße wurden im Heraion (Hera-Heiligtum) von Argos entdeckt und sind auf das 8. Jahrhundert v. Chr. zu datieren. Es handelt sich bei diesen Spießen um Opfergegenstände, die wohl für kultische Festessen verwendet worden sind. Ob sie als Zahlungsmittel oder Wertmaßstab verwendet wurden, ist in der Forschung umstritten (Kroll 2001, 85-87).

 


Hacksilber aus der Levante, 425–420 v. Chr.
In den als Hacksilber wiederverwendeten
Münzen können auch athenische Eulen
erkannt werden. Von CNG Coins,

Lizenz: CC BY 3.0

Um das 7. Jahrhundert v. Chr. stand Griechenland in einem engen kulturellen und kommerziellen Austausch zum östlichen Mittelmeerraum, wodurch auch die Verwendung von Hacksilber verbreitet wurde. In Eretria auf Euboia ist ein Hort von Hackgold und -elektrum entdeckt worden. Dieser konnte sehr sicher auf die spätgeometrische Epoche (und damit in das späte 8. Jahrhundert v. Chr.) datiert werden. Somit ist die Verwendung von Hacksilber und anderen Edelmetallen als Geldform auch im Ägäisraum für diese Zeit nachgewiesen. Selbst nachdem Münzen in weite Teile des Mittelmeerraumes vorgedrungen waren, wurde Hacksilber weiterverwendet – auch in Form von Münzstücken.


Bronzedreifuß,
illustriert von Lara Kunze

Auf Kreta gibt es Inschriften, die zur Strafe bei Missachtung eines Dekrets (= Verordnung) die Bezahlung mit Kesseln verhängte. Diese Inschrift wird ungefähr auf das Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. datiert. Auch in anderen Inschriften auf Kreta werden Strafen oder Missachtungen immer mit Kesseln oder sogenannten Dreifüßen entschädigt. Die Inschriften können bis 500 v. Chr. nachgewiesen werden.

Hierbei sehen wir, dass viele dieser Geldformen gleichzeitig verwendet worden sind und fließende Übergänge dazwischen existieren. Nur, weil eine neue Geldform dazukam, wurde eine frühere nicht sofort aufgegeben. Erst mit der großflächigen Einführung der Münze wurden diese älteren Formen langsam zurückgedrängt.

 

 

Zitierte Literatur:

Kroll, J.H.: Observations on Monetary Instruments in Pre-Coinage Greece. Numismatic Studies 24 (2001), 77-91.

Weiterführende Literatur:

Mittag, P. F.: Griechische Numismatik. Eine Einführung, Köln 2016.

 

Johanna Humburg (Universität Freiburg)

 

 

Fehler Bitte beantworten Sie alle Fragen