Einführung in die Kipper- und Wipperzeit


Hier ist zu erkennen, wie man mit der Schnellwaage die guten Münzen
mit einem hohen Edelmetallanteil aussonderte.
Epitaphium oder deß guten Geldes Grabschrifft (Ausschnitt),
Augsburg um 1620 Frankfurt, Universitätsbibliothek Frankfurt a. M.

Die Inflation des frühen 17. Jahrhunderts bezeichnet man als die sogenannte Kipper- und Wipperzeit (1619–1623). Der Name der Geldkrise leitet sich von den als „Geldkippen“ bezeichneten handlichen und weit verbreiteten Schnellwaagen ab. Um die schweren von den leichten Münzen zu unterscheiden, benutzte man die Schnellwaage („Wippe“), mit deren Hilfe man die guten Münzen „kippte“ (vom niederdeutschen „kippen“= beschneiden), also aussonderte. Die Inflation verbreitete sich fast über das gesamte Heilige Römischen Reich und erfasste auch Grenzgebiete.

Ursachen für die Inflation sind verschiedene Faktoren, wie unter anderem der Rückgang des deutschen Silberabbaus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Des Weiteren stieg der Bedarf nach Geld infolge einer wirtschaftlichen Expansion, was wiederum mit einer „passiven deutschen Handelsbilanz“ zu einem strukturellen Fehler innerhalb der Augsburger Reichsmünzordnung führte. Trotz des geschaffenen gesetzlichen Rahmens der Augsburger Reichsmünzordnung, die das Gewicht und den Gehalt der Reichsmünzen bestimmte, wurden die hohen Herstellungskosten der Kleinmünzprägung nicht ausreichend berücksichtigt. Dies führte dazu, dass der Münzfuß für die mittleren und kleineren Werte, wie Groschen, Schillinge, Batzen, KreuzerPfennige und Heller zu hoch angesetzt war. Dadurch war die Prägung dieser Nominale nicht mehr rentabel. Um durch die Prägung der Kleinmünzen keinen Verlust zu erleiden, wurde das Silbergewicht der Kleinmünzen verringert. Die Folgen zeigten sich in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Form.

 

Weiterführende Literatur:

Redlich, Fritz: Die deutsche Inflation des frühen siebzehnten Jahrhunderts in der zeitgenössischen Literatur, die Kipper und Wipper, Köln; Wien 1972.

Schneider, Konrad: Kipper- und Wipperzeit, in: Enzyklopädie der Neuzeit, Leiden; Boston, Mass 2014. First published online: 2019. 

 

T. Scheffel, 4. Semester, Universität Heidelberg.

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