Als 68 n. Chr. Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus auf der Flucht vor dem Senat Selbstmord beging, endete nicht nur sein Leben, sondern auch die Julisch-Claudische Dynastie, die fast ein Jahrhundert lang das Römische Reich regiert hatte. Sein letzter Ausruf soll gelautet haben:
Qualis artifex pereo! – „Welch ein Künstler geht mit mir zugrunde!" (Suet. Nero 49.)
Diese Worte fassen zusammen, wie Nero sich selbst gesehen haben soll: nicht primär als Feldherr oder Staatsmann, sondern als Musiker, Dichter und Wagenlenker auf dem Kaiserthron. Da die antiken literarischen Quellen aber ein überwiegend negatives Bild des Kaisers zeichnen, ist es wichtig auch andere Zeugnisse wie Münzen einzubeziehen, um Nero als Person besser zu bewerten.
Seine Herrschaft, die 54 n. Chr. begann, als er mit nur 16 Jahren die Nachfolge seines Adoptivvaters Claudius antrat, lässt sich grob in zwei Phasen unterteilen: ein von Seneca und Burrus geleitetes Quinquennium Neronis, das spätere Kaiser als vorbildlich lobten, und die zunehmend autokratischen Jahre nach 62 n. Chr. Die antiken Quellen – verfasst von senatorischen Autoren wie Tacitus und Sueton – zeichnen überwiegend das Bild eines Tyrannen. Die moderne Forschung bemüht sich um eine differenziertere Bewertung.
Für den jungen Kaiser waren Münzen ein entscheidendes Medium der Selbstdarstellung. So ließ er nicht nur sein eigenes Portrait prägen, sondern anfangs auch das seiner einflussreichen Mutter Agrippina – deren Person und damit auch Bildnis mit der Zeit immer weiter in den Hintergrund rückte, bis es ganz verschwand. Die Münzprägung spiegelt damit unmittelbar die politischen Machtverhältnisse am Hof wider.
3D Modell eines As des Nero von Benjamin van der Starre
Avers: IMP NERO CAESAR AVG P MAX TR P P P. Kopf des Nero nach links, vorne am Hals ein kleiner Globus.
Revers: Die nach links schreitende Victoria hält in ihrer Rechten einen Schild mit der Aufschrift S P Q R.
Numismatische Sammlung der Universität Heidelberg, Invnr. N15265; Das Modell der Münze basieret auf den Fotos von Susanne Börner
Wie vielfältig und aufschlussreich die Münzprägung der neronischen Zeit ist – und was sie über das Selbstbild eines der umstrittensten Kaiser Roms verrät –, wird in den folgenden Kapiteln beleuchtet.
Benjamin van der Starre, 2. Mastersemester (Universität Heidelberg)