Marc Aurel als Prägeherr

 

Marcus Annius Verus, geboren 121 n. Chr., wurde früh von Kaiser Hadrian gefördert und 138 n. Chr. von Kaiser Antoninus Pius adoptiert. 

Nach dessen Tod im Jahr 161 n. Chr. bestieg er als Marcus Aurelius den Thron und ernannte zusätzlich Lucius Verus zum Mitkaiser. Die gemeinsame Regierungszeit war von großen Krisen geprägt, darunter die Partherkriege, die Antoninische Pest, sowie zunehmende Angriffe germanischer Stämme.

Nach dem Tod des Lucius Verus im Jahr 168 n. Chr., regierte Marc Aurel allein und sah sich vor allem mit den langwierigen Markomannenkriegen konfrontiert, die die Donaugrenze massiv belasteten. Parallel dazu wurde der Aufstand des Avidius Cassius niedergeschlagen, der laut antiker Quellen möglicherweise Unterstützung durch Faustina die Jüngere erhielt. Marc Aurel starb 180 n. Chr. während eines Feldzuges im Norden des Reiches.

Ausschnitt des Stammbaums der Antoninischen Dynastie. Graphik: Autorin

Die Münzprägung Marc Aurels stellt ein wichtiges Instrument kaiserlicher Herrschaftsrepräsentation dar. In der frühen Prägephase orientieren sich die Aversporträts und Legenden bewusst an der Tradition des Antoninus Pius und betonen dynastische Kontinuität. Die Reversmotive greifen etablierte caesarische Tugenden wie Pietas, Concordia und Aequitas auf und dienen der Legitimation der Nachfolge. Parallel ausgegebene Prägungen für Faustina die Jüngere sind Bestandteil des dynastischen Münzprogramms und thematisieren Ehe, Fruchtbarkeit und Stabilität der Herrscherfamilie.

Mit dem Regierungsantritt 161 n. Chr. wird das Münzbildprogramm gezielt angepasst. Das Doppelkaisertum mit Lucius Verus wird durch parallele Motivplanung, vergleichbare Titulaturen und abgestimmte Legenden propagiert. Die Gleichrangigkeit der beiden Augusti wird im Münzbild bewusst inszeniert, obwohl sich ihre tatsächlichen politischen und militärischen Aufgaben unterschieden. Als Prägeherr steuerte Marc Aurel bzw. angewiesene Beamte die thematische Gewichtung der Reversdarstellungen und nutzt das Münzwesen zur Kommunikation politischer Ordnung und Legitimität. Die Prägungen während der Markomannenkriege zeigen eine deutliche Veränderung der Motivwahl: Reversdarstellungen mit militärischen Personifikationen wie Virtus, Victoria oder Mars  reagieren auf die aktuellen Ereignisse und binden die Münzprägung enger an die Ereignisgeschichte.

Sesterz Marc Aurel, Bronze, 175 n. Chr., Rom,
Numismatische Sammlung der Universität  Heidelberg, Inventarnr. N25036.
Dieser Sesterz zeigt auf dem Avers Marc Aurel in seiner Rüstung. Der Revers zeigt die nach links stehende Roma. In ihrer rechten Hand hält sie eine Victoria, in der linken einen Speer.

 

Auch die Prägungen für weibliche Mitglieder der Dynastie werden neu kontextualisiert: Kaiserin und Familie erscheinen nun als Stützen der dynastischen und militärischen Stabilisierung. In den späten Prägephasen richtet Marc Aurel das Münzprogramm verstärkt auf Commodus aus. Durch eine erhöhte Emissionsfrequenz, eigenständige Porträts und Reversmotive wird der designierte Nachfolger nun auch numismatisch etabliert.

 

Kathrin Stroh, Universität Heidelberg, (2. Mastersemester)

                                        

Fehler Bitte beantworten Sie alle Fragen