Der Gott Janus hat eine sehr große Bandbreite an Funktionen und Aufgaben. Im Folgenden sollen hier die Zentralsten kurz vorgestellt werden:
Janus als Gott der Anfänge und des Beginns
Janus stand am Anfang jeder rituellen Handlung. Bei Opfern und Gebeten wurde er stets zuerst angerufen – noch vor Jupiter, dem Göttervater. Diese Priorität zeigt seine fundamentale Bedeutung im römischen Kultgeschehen. Ovid erklärt in den Fasti (1.171–174), dass Janus selbst dies damit begründet, dass jede Tür zuerst durch den Hüter geöffnet werden müsse, bevor man zu den anderen Göttern gelange.
Janus als Gott der Türen, Tore und Durchgänge
Das lateinische Wort ianua (Tür, Eingang) hängt etymologisch (sprachgeschichtlich) direkt mit dem Namen des Gottes zusammen. Janus wachte über jeden Schwellenübertritt – vom häuslichen Eingang bis zu den Stadttoren. Seine Doppelgesichtigkeit symbolisiert dabei das gleichzeitige Sehen von Innen und Außen, von Kommen und Gehen.
Janus als Gott der Zeit und des Übergangs
Der erste Monat des Jahres, Ianuarius (Januar), trägt noch heute seinen Namen. Janus markiert den Übergang vom alten zum neuen Jahr und blickt dabei gleichzeitig zurück und voraus.
Janus als Gott von Krieg und Frieden
In seiner politisch-militärischen Funktion war Janus eng mit dem Kriegszustand Roms verbunden. Die Türen seines Tempels am Forum standen offen, solange Rom Krieg führte, und wurden nur in Zeiten vollständigen Friedens geschlossen – ein äußerst seltenes Ereignis.
Benjamin van der Starre, 2. Mastersemester (Universität Heidelberg)