Neben Einzelpersonen wie den Kaisern und anderen herausragenden römischen Staatsmännern wurden auch die großen römischen Adelsgeschlechter mit Restitutionen bedacht.
Der Revers der vorliegenden Münze bildet die Basilica Aemilia (vgl. „AIMILIA“ über dem Dach) auf dem Forum Romanum ab, die im Jahr 179 v. Chr. erbaut und seitdem bis in die Kaiserzeit regelmäßig von Angehörigen der gens Aemilia restauriert wurde. Die Aemilier gehörten zu den einflussreichsten und ältesten Patrizierfamilien.
Der republikanische Prototyp (M2) wurde unter dem Münzmeister Marcus Aemilius Lepidus geprägt und könnte anlässlich einer solchen Restaurierungsmaßnahme ausgegeben worden sein.
Bei vielen Restitutionsmünzen ersetzt die Titulaturumschrift mit Restitutionsvermerk die originale Reverslegende. In diesem Fall wurde sie aber übernommen. Es sollte wohl in jedem Fall ersichtlich bleiben, um welches Gebäude es sich handelte bzw. unter welchem Namen es erbaut wurde.
Der Basilica Aemilia im Herzen des Forums, die über Jahrhunderte das Stadtbild Roms mitprägte, konnte Traian seinen eigenen Hallenbau an die Seite stellen. Analog zu den traditionellen Benennungen von republikanischen Bauwerken nach den stiftenden gentes erhielt die traianische Basilika den Beinamen Ulpia – obwohl der Kaiser den Familiennamen den gens Ulpia nach seiner Adoption durch Nerva abgelegt hatte.
In republikanischer Zeit war es nämlich ein Vorrecht der vielfach militärisch und politisch ausgezeichneten Familien gewesen, unter ihrem Namen Monumentalbauten im öffentlichen Raum zu errichten. Traian konnte sich also direkt mit der gens Aemilia (und ihrem Bauwerk) vergleichen und sich so in eine Reihe mit den bedeutenden Persönlichkeiten der römischen Vergangenheit einordnen.
Die in der Restitutionsmünze symbolisierte Traditionslinie von den großen republikanischen Familien bis zu Traian findet sich auch in Plinius' Lobrede auf den Kaiser wieder:
[…] nec magis definite distincteque designat, qui Traianum, quam qui Optimum appellat: ut olim frugalitate Pisones, sapientia Laelii, pietate Metelli monstrabantur. Quae simul omnia uno isto nomine continentur.
[…] und wer dich mit Optimus anredet, drückt sich genauso eindeutig und unverwechselbar aus, wie der, der Traian sagt. So führte einst bei den Pisonen die Genügsamkeit (frugalitas), bei den Laeliern die Weisheit (sapientia) und bei den Metellern die Sohnestreue (pietas) zu ihrer besonderen Kennzeichnung. Alle diese Eigenschaften sind in deinem einen Beinamen zugleich mit enthalten.
(Plin. paneg. 88,6, übers. nach W. Kühn)
Franziska Nober, Universität Heidelberg
Weiterführende Quellen:
Gaius Plinius Caecilius Secundus: Panegyrikus: Lobrede auf Kaiser Traian, hrsg. u. übers. W. Kühn. Darmstadt 2008.