Im Frühling des Jahres 1969 wurde in Ägypten ein bemerkenswerter Fund gemacht: 350 km südlich von Kairo in einer Ortschaft namens Asyut fanden Arbeiter ungefähr 900 frühe griechische Silbermünzen. Unter diesen Münzen befanden sich außerdem einige Hacksilberstücke.
Ein solcher Fund wird in der Forschung als Hort bezeichnet. Hortfunde bestehen aus einer Vielzahl von Münzen, die von einer Person heimlich an einem Ort gesammelt wurden, der anderen Personen unbekannt war. Wird das Wissen um einen solchen Schatz nicht weitergegeben, kann er nur durch einen Zufall wiederentdeckt werden. Bis solche Münzen gefunden werden, liegen sie ungestört und unverändert, wie zum Zeitpunkt ihrer Deponierung, in der Erde. Dadurch werden sie zu einem wichtigen archäologischen Fundkontext.
Von den geschätzten 900 Münzen des Hortes wurden 870 Stück dokumentiert und datiert: Alle bekannten Münzen des Hortes wurden vor dem Jahr 475 v. Chr. hergestellt und als Zahlungsmittel genutzt. Somit können die Münzen erst wenige Jahre später vergraben worden sein. Die ältesten Münzen des Schatzes stammen zwar aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., die meisten Fundstücke sind aber wahrscheinlich etwa 10 oder 15 Jahre vor der Vergrabung in Ägypten in Umlauf gewesen.
Der Fund von Asyut gilt als der größte bisher gefundene griechische Hort der archaischen Zeit (700–490/480 v. Chr.). Die einzelnen Münzen stammen aus dem gesamten griechischen Mittelmeerraum, das Einzugsgebiet reicht sogar bis nach Sizilien und Süditalien. Bei dem Großteil der Münzen handelt es sich jedoch um Prägungen aus Athen, Ägina, Korinth, Salamis und Rhodos.
Die Karte zeigt die Prägestätten der Münzen des Asyut-Hortes.
Lea Schmidt, 3. Semester M.A. (Universität Heidelberg)