Warum stellte man Kopien älterer Münzen her – oder übernahm zumindest gezielt einzelne Motive früherer Prägungen? Dahinter steckte keine Fälschungsabsicht. Welchen Zweck diese sogenannten Restitutionsprägungen jedoch genau erfüllten, beschäftigte die Forschung schon seit dem 16. Jahrhundert (vgl. Forschungsübersicht bei Komnick 2001, 9–26).
Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten sich insbesondere vier Interpretationsrichtungen zum Zweck der Restitutionsmünzen (Komnick 2001, 26):
Dass alte Münzbilder bewusst aufgegriffen werden, ist jedoch kein auf die antiken Resitutionsmünzen beschränktes Phänomen, sondern begegnet uns auch in der Gegenwart. Die griechische Ein-Euro-Münze bildet auf ihrer Rückseite eine athenische Tetradrachme aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. ab:
Griechische Euro-Münze, 2002, Athen, Kupfer-Nickel, Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Inv.-Nr. 18203837. |
Das Vorbild der griechischen Euro-Münze: Athenische Tetradrachme, 480-404 v. Chr., Athen, ZAW Heidelberg, Inv.-Nr. AN509. |
Nicht nur das Motiv, sondern der komplette Umriss der Münze (inklusive der charakteristischen Eintiefung) wurde dabei in die Gestaltung der Euro-Münze eingebunden. Das Geldstück verknüpft damit den heutigen griechischen Staat mit seiner Vergangenheit – und zwar mit der Zeit der großen kulturellen Blüte des klassischen Athens.
Übertragen auf die Restitutionsmünzen bedeutet dies: Der Prägeherr wurde über den Restitutionsvermerk in der Kaisertitulatur mit den alten Münzbotschaften und deren Herausgebern zusammengeführt.
Dieses Prinzip lässt sich gut mit den Worten des römischen Dichters Ovid beschreiben:
[...] laudamus veteres, sed nostris utimur annis.
[...] wir loben die alte [Zeit], aber nutzen unsere Zeit.
(Ov. fast. 1, 225, eigene Übersetzung)
Franziska Nober, Universität Heidelberg
Weiterführende Quellen und Literatur:
Komnick, H: Die Restitutionsmünzen der frühen Kaiserzeit. Aspekte der Kaiserlegitimation, Berlin 2001.
Publius Ovidius Naso: Fasti, hrsg. E.H. Alton et al. Leipzig 1978.