Der Ursprung der Heidelberger universitären Münzsammlung ist eng mit Georg Friedrich Creuzer (1771–1858) verbunden. Creuzer war Professor für Klassische Philologie und Alte Geschichte an der Universität Heidelberg und zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der frühen Altertumswissenschaft. In seiner Forschung und Lehre nahm er materielle Zeugnisse der Antike ernst und verstand sie als wesentliche Grundlage historischer Erkenntnis. Münzen spielten dabei eine besondere Rolle, da sie historische, ikonographische und kulturgeschichtliche Informationen in konzentrierter Form vereinen.
Für Creuzer war die Beschäftigung mit Münzen kein Selbstzweck, sondern Teil einer umfassenden wissenschaftlichen Methode. In der akademischen Lehre nutzte er numismatisches Material, um abstrakte Inhalte anschaulich zu vermitteln und mit Studierenden den Umgang mit antiken Quellen einzuüben. Münzkunde war für ihn ein grundlegendes Hilfsmittel der Altertumswissenschaften und eng mit philologischen und historischen Fragestellungen verbunden.
Vor diesem Hintergrund ist die Stiftung des Antiquarium Creuzerianum im Jahr 1834/1835 zu verstehen. Die Sammlung wurde von Alumni des philologischen Seminars zu Ehren Creuzers eingerichtet und bildete den ersten institutionellen Grundstock einer universitären Münzsammlung – und der Antikensammlung – in Heidelberg. Das Antiquarium war keine private Sammlung Creuzers, sondern ein eigens für Lehrzwecke angelegter Bestand, der in erster Linie aus Münzen bestand und damit unmittelbar an Creuzers wissenschaftliches Selbstverständnis anknüpfte.
Aus diesem Lehrkontext heraus stifteten seine ehemalige Studenten im Jahr 1834/1835 das sogenannte Antiquarium Creuzerianum. Dabei handelte es sich nicht um eine systematisch aufgebaute Sammlung im modernen musealen Sinn, sondern um einen heterogenen Bestand, der auf die universitäre Lehre ausgerichtet war. Der Schwerpunkt lag auf Münzen, ergänzt durch Gemmen, Gemmenabdrücke, einzelne Steinobjekte, lokale antike Funde sowie einige Gipsabgüsse. Münzen eigneten sich besonders für die universitäre Lehre, da sie vergleichsweise leicht zugänglich waren und wie gesagt zentrale Aspekte antiker Geschichte, Ikonographie und Herrschaftsrepräsentation anschaulich vermittelten.
Johann Adam Brummer, der dem Stiftungskomitee des Antiquarium Creuzerianum angehörte, übernahm eine zentrale Rolle bei der Erfassung des frühen Sammlungsbestandes. Zwischen 1836 und 1840 erstellte er ein umfangreiches Verzeichnis der im Antiquarium vorhandenen Objekte, das rund 750 Stücke umfasste. Ein großer Teil dieser Münzen ist bis heute in der Heidelberger Münzsammlung erhalten. Brummers Arbeit dokumentiert damit nicht nur den Umfang und die Struktur des ursprünglichen Bestandes, sondern macht zugleich deutlich, dass das Antiquarium Creuzerianum nachweislich den Grundstein der heutigen universitären Münzsammlung bildete.
Ein Beispiel für einen Einblick in diesen frühen Münzbestand bietet seine Publikation Prolusio continens recensionem Graecorum aliorumque veterum numorum, exeptis romanis, qui adservantur in academico antiquario Creuzeriano (Heidelberg 1836).
Dass sich über Brummers Katalog einzelne Münzen konkret dem Antiquarium Creuzerianum zuweisen lassen, zeigt sich exemplarisch an einer griechischen Drachme aus Dyrrhachium, die auf dem Avers eine säugende Kuh und ihr Kalb darstellt. Sie ist in Brummers Prolusio unter Nr. 44 beschrieben. Das entsprechende Exemplar befindet sich heute in der Heidelberger Münzsammlung (s. Bild oben rechts). Solche Übereinstimmungen erlauben es, ausgewählte Stücke als Teil des frühesten Sammlungsbestandes zu identifizieren.
Die unten gezeigte Fälschung des As des Nero mit Janustempel ist ebenfalls nachweislich Teil dieses frühesten Münzbestandes der Universität Heidelberg. Dass es sich hier um eine Fälschung aus der Zeit um 1800 handelt, tut der Bedeutung für die Sammlungsgeschichte keinen Abbruch. Das Stück ist eindeutig in Brummers Aufstellung zuordnbar: Antiquarium Creuzerianum [J. A. Brummer, Prolusio (1835-1836) Nr. 48]. Der Wert des Stückes liegt in diesem Fall also nicht in seiner Echtheit, sondern in seiner Aussagekraft für die Geschichte der Sammlung begründet.
Die Geschichte des Antiquarium Creuzerianum macht deutlich, dass universitäre Münzsammlungen nicht nur Quellen für die Antike darstellen, sondern selbst historische Zeugnisse wissenschaftlicher Praxis und Sammlungsgeschichte sind.
Charlotte Althoff, 1. Mastersemester (Universität Heidelberg)