Circa ab dem 4. Jh. v. Chr. ist das sogenannte aes signatum in Rom nachweisbar, in Etrurien sind vergleichbare Barren schon im 7. Jh. nachweisbar. Das aes signatum ist damit früher als das aes grave zu datieren. Die Benennung ist wie bei aes grave ebenfalls eine moderne Wortschöpfung, deren Verwendung historisch nicht durch Quellen belegt werden kann.
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Avers: Stier nach rechts |
Revers: Stier nach links |
Bei aes signatum handelt es sich um gegossene Erzbarren aus Bronze, die zusätzlich gestempelt wurden und deren Form einem flachen Ziegelstein oder einer Tafel Schokolade ähnelt. Sie tragen auf beiden Seiten bildliche Darstellungen. Darauf abgebildet sind neben dem Stier auch andere Dinge wie Fischgrätenornamente, Pegasi und Adler mit Blitzbündel, Elefant und Schwein, Dreifuß und Anker oder Ähre.
Gefunden wurden diese Barren in einem Gebiet von Mittelitalien bis nach Latium. Das Gewicht sowie die Zusammensetzung der Erzbarren variiert stark und war noch nicht, wie die späteren Bronzemünzen, verlässlich an Standardeinheiten angepasst. Ihr Gewicht betrug ca. fünf römische Pfund, was ca. 1,7 kg entspricht (1 röm. Pfund sind ungefähr 327g). Sie wurden hauptsächlich als Bruchstücke gefunden und wurden wohl vorsätzlich zerbrochen, wenn der benötigte Geldwert den Wert des Barrens unterschritt.
Das Motiv des Stiers auf dem Bronzebarren kann als Anspielung auf den Ursprung der Tauschmittel, also das Vieh (lat. pecus), angesehen werden. Die Bezeichnung „pecunia“ für lat. "Geld" geht laut Plinius dem Älteren auf das lateinische Wort für „Vieh“ zurück:
„Das [erste] Bronzegeld wurde mit dem Zeichen eines Stück Vieh geprägt, woher auch die Benennung ‚pecunia‘ kommt.“
Plinius der Ältere, Naturgeschichte 33,13, übers. n. König.
Das aes signatum ist in Gruppen zu unterteilen:
die nordetruskischen Rohbarren (ramo secco),
und die ornamentierten Bronzebarren des nördlichen Mittelitalien.
Einige der Barren mit etruskischem Ursprung wurden mit dem sog. ramo secco-Zeichen versehen (vergleichbar mit einer dreizackigen Gabel). Im Gegensatz dazu sind die ornamentierten Barren des nördlichen Mittelitalien mit abwechslungsreichen Ornamenten, wie z.B. Gräten, Delfine und Blattzweige verziert. Diese Barren unterscheiden sich vor allem in Form und Farbe. Die nordetruskischen Rohbarren besitzen eine rostbraune Farbe, die durch das nicht gereinigte Rohkupfer entstand. Die ornamentierten Bronzebarren weisen dagegen viele Farbnuancen auf (grün, blau, braun und schwarz), wie sie auch bei anderen Bronzegegenständen zu finden sind.
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Avers: Teilstück eines Bronzebarrens mit Fischgrätenornament. Drei Grätenpaare sind sichtbar. |
Revers: Fischgrätenornament gegenläufig zu dem der Vorderseite. |
L. Fischer, 1. Semester M.Ed. (Universität Heidelberg)
Verwendete und weiterführende Literatur:
T.L. Comparette, Aes signatum. American Journal of Numismatics (52), 1918. S. 1–61.
R. Herbig, Aes signatum, Heidelberg 1956: Kerle.
O.A, 1910. Aes rude, aes signatum, aes grave, and coinage of Rome from B.C. 268, London 1910: British Museum
E. J. Haeberlin, Aes Grave. Das Schwergeld Roms und Mittelitaliens einschliesslich der ihm vorausgehenden Rohbronzewährung. Band 1: Enthaltend die Münzverzeichnisse. Frankfurt 1910.
S. Börner, Einführung in die Münzkunde, in: Der römische Münzschatz von Jever. Hrg. v. Ida Becker, Matthias Büttner und Astrid Claaßen, Oldenburg 2012, S. 37–42.
F. v. Schrötter, Wörterbuch der Münzkunde. Berlin/Leipzig 1930, S. 13–14.
Plinius der Ältere, Naturgeschichte, hg. und übers. v. Roderich König, München/Zürich 1984.
M. H. Crawford, From aes signare to aes signatum. in SNR 88 (2009), https://doi.org/10.5169/seals-179783, S. 195–197.