Fürprägungen

Fürprägungen sind Münzprägungen, die von einem Kaiser für Ehefrauen, Kinder und andere Angehörige ausgegeben wurden. Auf dem Avers war üblicherweise die Person, für die geprägt wurde, abgebildet. Diese musste jedoch nicht alleine dargestellt werden, sondern konnte auch mit anderen Personen abgebildet.

Denar des Nero für Agrippina d. Jüngere, 
54 n. Chr., Silber, ​​Numismatische Sammlung
der Universität Heidelberg
 Inventarnr. N15000

 

Rechts ist zum Beispiel ein Denar des Nero, den er für seine Mutter Agrippina die Jüngere prägen ließ, zu sehen, auf dem diese mit Nero gemeinsam abgebildet ist.

Der Revers einer Fürprägung zeigte die verschiedensten Motive, z. B. römische Gottheiten.

Eine Fürprägung konnte ganz unterschiedliche Gründe haben: Kaiser ließen Münzen für ihre Söhne bzw. Nachfolger ausgeben, um sie beispielsweise beim Volk bekannter zu machen, ihre Legitimation zu festigen und somit die Nachfolge zu sichern.

Fürprägungen für Ehefrauen konnten dazu dienen, dem Volk zu zeigen, dass die kaiserliche Dynastie durch eine Heirat (und die gewöhnlich daraus resultierende Geburt von Kindern) erhalten blieb. Es gab jedoch auch Fürprägungen für bereits verstorbene Familienmitglieder, diese stellten eine Ehrung der Verstorbenen dar.

 

Der Denar des Kaisers Antoninus Pius (reg. 138-161 n. Chr.) für seine Frau Faustina die Ältere soll hierfür als Beispiel dienen:

Denar des Antoninus Pius für Faustina Maior, zw. 147 u. 161 n. Chr., Silber, Numismatische Sammlung der Universität Heidelberg, Inventarnr. N23305.

Der Avers dieses Denars zeigt die drapierte Büste der Faustina der Älteren mit Hochsteckfrisur nach rechts. Die Legende DIVA FAVSTINA nennt ihren Namen und Status: Nach ihrem Tod um 140 n. Chr. wurde sie von ihrem Gatten Antoninus Pius vergöttlicht und erhielt den Zusatz „diva“  (lat. göttlich/vergöttlicht). Dieser Denar wurde dementsprechend vom Kaiser im Gedenken an die verstorbene und zu den Göttern erhobene Faustina der Älteren ausgegeben.

Der Revers zeigt die Göttin Vesta  mit Schleier nach links. Sie hält eine Schöpfkelle und das Palladium. Die Legende nennt Faustinas Titel ­– AVGVSTA – und unterstreicht damit ihre Relevanz.

Das Palladium – eine Statue, die den Schutz der Stadt und des Reiches garantieren sollte und einst von Aeneas aus Troja mitgebracht worden war – galt als eine Art Talisman und Garant für den Erhalt der römischen Herrschaft und wurde im Heiligtum der Vesta in Rom aufbewahrt. Dieser Denar scheint es zu sagen: Unsere Augusta ist zwar verstorben, doch die Herrscherdynastie und Nachfolge bleibt dennoch erhalten.

 

                                                     

 

 Kathrin Stroh, 2. Mastersemester (Universität Heidelberg)

Leandra Friedrich, 9. Bachelorsemester (Universität Heidelberg),

Stella Meier, 6. Bachelorsemester (The University of Sydney)

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