Die ersten gegossenen italisch-römischen Bronzemünzen werden als aes grave bezeichnet. Sie sind ab dem 3. Jh. v. Chr. nachweisbar.
Ähnlich wie beim aes signatum handelt es sich bei "aes grave" um einen modernen bzw. neuzeitlichen Begriff und nicht um eine antike Bezeichnung.
Zu den Vorgängern des aes grave gehörte das sog. aes rude, ein kupfernes bzw. bronzenes und vorgewogenes Roherz, das schon zu Beginn des 1. Jt. v. Chr. nachweisbar ist. Aes grave und aes signatum wurden teilweise parallel genutzt, wobei das aes signatum früher anzusetzen ist.
Im Gegensatz zu den griechischen Münzen, die als Vorbild dienten, wurden diese ersten römischen Geldmittel nicht geprägt, sondern gegossen.
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| Avers: Doppelkopf des Ianus mit Bart. Darunter das Wertzeichen I (Wertzeichen für As). |
Revers: Schiffsbug (prora) nach rechts mit Wertzeichen I. |
Das aes grave oben zeigt auf dem Avers den zweigesichtigen Januskopf mit dem Wertzeichen unter dem Kopf und ebenfalls einen Schiffsbug (prora) mit Wertzeichen darüber auf dem Revers. Das Stück kann auf die Zeit um 225-217 v. Chr. datiert werden, stammt aus Rom und wiegt 285,20 g. In der Frühzeit Roms entsprach ein As einem aes grave-Stück, also einem römischen Pfund Bronze. Der As stellt somit eine Einheit (Nominal) des Geldsystems der Römer dar. Das aes grave bezeichnet also die ersten gegossenen Münzen der frühen Römischen Republik mit einem Gewicht von ungefähr einem römischen Pfund und dem As als Nominal. Hier könnt ihr noch mehr über den As und die Nominale lernen.
Das aes grave zeichnet sich optisch durch ein sehr hohes Relief aus. Es entspricht mehr oder weniger einem römischen Pfund (libra) das circa 327 g wiegt. Je später ein aes grave hergestellt wurde, desto leichter konnte es sein. Trotzdem gibt es gegenüber den griechischen Silbermünzen – wie z.B. einer Drachme, die etwa 7 g wog – einen sehr großen Gewichtsunterschied.
Ein aes grave besitzt neben dem bildlichen Motiv auf dem Avers und Revers zusätzlich immer ein Wertzeichen, das Auskunft über die Wertigkeit, also das Nominal gibt:
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Wertzeichen der Nominale
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Auf der Münze unten ist ein S auf dem Avers und Revers zu erkennen. Dieses steht für Semis und bezeichnet das bronzene Halbstück zum As. Diese Wertzeichen führten dazu, dass die Münzen nicht gewogen, sondern gezählt werden konnten (Wenn ihr noch mehr über die Vorgehensweise der Münzbestimmung lernen wollt, klickt einfach hier ). Das unten abgebildete aes grave zeigt auf dem Avers den Saturnkopf mit Lorbeerkranz nach links und dem besagten Wertzeichen hinter seinem Kopf. Auf dem Revers sind ein Schiffsbug (prora) und darüber das Wertzeichen zu erkennen. Das Stück kann auf die Zeit um 215–212 v. Chr. datiert werden und wiegt 31,6 g. Es wurde in Rom gegossen.
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| Avers: Saturnkopf mit Lorbeerkranz nach links. Hinter dem Kopf Wertzeichen S. | Revers: Schiffsbug (Prora) nach links, darüber Wertzeichen S |
L. Fischer, 1. Semester M.Ed. (Universität Heidelberg)
Weiterführende Literatur:
T.L. Comparette, Aes signatum. American Journal of Numismatics (52), 1918. S. 1–61.
R. Herbig, Aes signatum, Heidelberg 1956: Kerle.
O.A, 1910. Aes rude, aes signatum, aes grave, and coinage of Rome from B.C. 268, London 1910: British Museum
E. J. Haeberlin, Aes Grave. Das Schwergeld Roms und Mittelitaliens einschliesslich der ihm vorausgehenden Rohbronzewährung. Band 1: Enthaltend die Münzverzeichnisse. Frankfurt 1910.
S. Börner, Einführung in die Münzkunde, in: Der römische Münzschatz von Jever. Hrg. v. Ida Becker, Matthias Büttner und Astrid Claaßen, Oldenburg 2012, S. 37–42.
F. v. Schrötter, Wörterbuch der Münzkunde. Berlin/Leipzig 1930, S. 13–14.
M. H. Crawford, From aes signare to aes signatum. Schweizerische numismatische Rundschau = Revue suisse de numismatique = Rivista svizzera di numismatica, Hrsg: Schweizerische Numismatische Gesellschaft, 88 (2009), https://doi.org/10.5169/seals-179783, S. 195–197.
Plinius der Ältere: Naturgeschichte, hg. und übers. v. Roderich König, München/Zürich 1984.