Durch den Status als Mutter eines sehr jungen Kaisers hatte Agrippina die Jüngere Zugang zu sämtlichen Informationen, Personen und Abläufen, welche normalerweise für den engsten Beraterkreis gedacht waren. Deutlich wird das daran, dass sie dauerhaft im nahen Umfeld des Kaisers fassbar ist, Kontakt zu einflussreichen Personen hatte und darüber hinaus an politischen Entscheidungen mitwirkte.
Agrippinas Name erschien häufig in staatlichen Kontexten, wie die Nennung in offiziellen Ehrentiteln oder auch durch die Darstellung auf Münzen. Daraus folgt, dass der Eindruck entstand, Agrippina sei an politischen Entscheidungen beteiligt gewesen und Nero habe diese nicht allein getroffen und sei beeinflusst worden. Dieser Einfluss und die Kontrolle spiegeln sich vor allem in der Zeit der frühen Herrschaft Neros wider, als er noch unerfahren war und angewiesen, sich auf vertraute Personen wie seine Mutter zu stützen.
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Avers: Büste der Agrippina nach rechts, mit Kornkrone, langer Zopf hinter dem Kopf. |
Revers: Büste des Nero nach links, ohne Kopfbedeckung. |
Wichtig ist hier jedoch zu erwähnen, dass es einen klaren Unterschied zwischen Beinflussung und direkter Herrschaft gibt, denn Agrippina regierte nicht – zumindest nicht offiziell. Sie wirkte durch Beratung und in der Nähe von Nero. Die Mitgestaltung politischer Entscheidungen und Beschlüsse sowie die Förderung oder aber auch Zurückweisung von Personen waren Teil ihres Einflusses. Für ihre Zeitgenossen war es indes ungewöhnlich, dass sie diese umfassenden Gestaltungsspielräume hatte, da politische Macht eigentlich Männern vorbehalten war.
Der Einfluss Agrippinas verdeutlicht, dass Macht im Kaiserreich nicht nur durch politische Ämter ausgeübt wurde, sondern auch durch familiäre Positionen und Sichtbarkeit. Trotz dieses Einflusses hing die Stellung Agrippinas vollständig von der Anerkennung ihres Sohnes ab. Wie er sich davon löste, kann in dem Modul „Neros Unabhängigkeit“ nachgelesen werden.
Lisette Haag, 6. Bachelorsemester (Universität Heidelberg)