Faustina II. (130–175 n. Chr.) wurde 145 n. Chr. mit Marc Aurel verheiratet. Während ihrer dreißigjährigen Ehe bekam Faustina mindestens vierzehn Kinder, von denen sechs nachweislich das Erwachsenenalter erreichten. Zu den Überlebenden gehörten die Töchter Lucilla und Fadilla und der zukünftige Kaiser Commodus. Faustinas Rolle als Gebärerin kaiserlicher Erben und damit als Bewahrerin der Antoninischen Dynastie war für ihre politische Bedeutung von grundlegender Wichtigkeit.
| Denar mit pulvinar (Polstersitz), auf dem die Kinder von Marc Aurel und Faustina, die Zwillinge Commodus und Antoninus sitzen (Revers). 161-176 n. Chr., Silber, Freiburg, Seminar für Alte Geschichte der Universität, Inventarnr. 14042 |
Sie trug den Titel Augusta (Kaiserin), dieser wurde ihr im Jahr 147 n. Chr. nach der Geburt ihres ersten Kindes verliehen. Die Münzprägung für Faustina II. muss zunächst im Zusammenhang mit der Position ihres kaiserlichen Vaters Antoninus Pius und später ihres kaiserlichen Ehemannes Marc Aurel gesehen werden. Beide wollten über die Tochter bzw. die Gattin ihre jeweilige Position und den Fortbestand der Dynastie unterstreichen.
Die Münze mit der Abbildung der Diana Lucifera wurde zwischen 158-164 geprägt, eine genauere Festlegung ist nicht möglich. Es ist unklar, ob sie noch zu Lebzeiten des wahrscheinlich bereits erkrankten Antoninus Pius ausgeprägt wurde oder erst nach dessen Tod zum Beginn der Herrschaft des Marc Aurel. Marc Aurels Position erforderte aber in jedem Fall, als frischgebackener Kaiser einer neuen Herrschaftsform – das Doppelprinzipat mit Lucius Verus – oder kurz vor dem Ableben des alten Kaisers und der Regierungsübernahme, den Nachweis dynastischer Stabilität und damit eine gesicherte Nachfolge. In Zeiten, in denen die Nachfolge ungewiss oder umstritten war, bestätigten Münzen mit dem Bildnis der Kaiserin visuell die Existenz einer gesicherten Nachfolge. Das Bild der Kaiserin und ihrer Kinder auf Münzen vermittelte der Bevölkerung in den Provinzen, dass das Kaiserhaus intakt und auf eine geordnete Machtübergabe vorbereitet war.
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Aureus mit der Darstellung von Faustina II, im Handschlag mit Marc Aurel. Zwischen ihnen steht Concordia, die personifizierte Eintracht (Revers). 145 n. Chr., Gold, Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin. Objektnr. 18200264 |
Die Münzen für Faustina dokumentieren zudem die begrenzte, aber bedeutende Rolle der Frauen innerhalb des kaiserlichen Systems. Faustina II. war weder eine eigenständige politische Akteurin, noch übte sie unabhängige Autorität aus. Ihre Fruchtbarkeit, ihre Rolle als Ehefrau des Kaisers und Mutter von Thronfolgern und ihre Verbindung mit göttlichen Tugenden (bspw. durch die Darstellung als Diana Lucifera) machten sie jedoch politisch unverzichtbar und wichtig genug, um auf Münzen in Erscheinung zu treten.
Marc Aurels Entscheidung, Münzen für Faustina zu prägen, war nicht beispiellos. Bereits viele Herrscher vor ihm hatten für ihre Frauen Münzen ausgegeben. Auch sein Adoptivvater Antoninus Pius hatte nach dem Tod seiner verstorbenen und daraufhin divinisierten Frau Faustina I, dann „Diva Faustina” genannt, ab dem Jahr 140/141 n. Chr. eine umfangreiche Münzprägung für diese veranlasst. Marc Aurels Prägung für seine Gattin stellte jedoch eine bewusste Strategie dar: Numismatische Propaganda im Dienste der dynastischen Legitimität. Die Prägung für Faustina erfüllte mehrere politische Funktionen: Sie bekräftigte die Stabilität der kaiserlichen Thronfolge, feierte die Fruchtbarkeit der Kaiserin und die gesicherte Erbfolge und stellte sicher, dass ihr Bildnis und ihre Titel durch die massenhaft in Umlauf gebrachte Bronzemünze jede Provinz des Reiches erreichten.
Stella Meier, 6. Bachelorsemester (The University of Sydney)