Die folgende traianische Restitutionsmünze illustriert anhand ihrer von Iulius Caesar geprägten Vorlage die Darstellung kaiserlicher Familienbande sowie verwandter symbolischer Bildmotive im (Restitutions-)Münzprogramm Traians.
Den Avers ziert das Porträt der Venus, die als mythische Stammmutter der Familie Caesars (gens Iulia) galt: Die Iulier führten ihre Abstammung auf Iulus zurück, den Sohn des trojanischen Helden Aeneas, der wiederum als Sohn der Göttin Venus angesehen wurde. Die Darstellung der Venus verweist somit auf den göttlichen Ursprung und die mythische Legitimation der julisch-caesarischen Familie.
Die Münzrückseite komplettiert das Familienbild: Auf ihr ist Aeneas zusammen mit seinem sterblichen Vater Anchises abgebildet, den er auf dem Rücken trägt.
In seiner rechten, nach vorne gestreckten Hand hält er dabei das Palladion, das in ferner Zukunft als Garant für das Wohlergehen des noch zu gründenden Roms dienen würde.
Damit verbildlicht die Münze eine bedeutungsschwere Episode: Aeneas hatte seinen alten und blinden Vater aus dem brennenden Troia gerettet, als die Stadt – dank dem Zutun eines gewissen listigen Helden (Odysseus) – von den Griechen überrannt wurde. Die Flucht führte Aeneas schließlich nach Italien, wo er nicht nur eine neue Heimat finden, sondern auch der Ahnherr der Römer werden sollte.
Neben der ideologischen Bedeutung für die Römer, insbesondere der iulischen Familie, steht die Episode symbolisch für die Ehrerbietung (pietas erga parentes) gegenüber den Eltern – eine universelle Botschaft, die Traian ohne Weiteres für sich übernehmen konnte, gedachte er doch selbst seinen beiden Vaterfiguren (Nerva und Traianus Pater) ausgiebig auf Münzen.
Auf diese Weise brachte Kaiser Traian ihnen gegenüber so seine pietas zum Ausdruck und beanspruchte damit zentrale kaiserliche Tugenden für sich und seine Herrschaftsdarstellung.
Franziska Nober, Universität Heidelberg