Die Beziehung zwischen Nero und seiner Mutter Agrippina die Jüngere ist ein zentrales Thema in der neronischen Epoche. So ist Neros frühe Regierungszeit untrennbar mit der Präsenz seiner Mutter verbunden. Er trat also bei seinem Herrschaftsantritt nicht allein als Herrscher auf, sondern zeigte sich innerhalb des Familiengefüges, welches sich öffentlich widerspiegelte. Agrippina war Teil seines beständigen Umfelds und wurde auch so wahrgenommen: als Mutter des Kaisers.
Diese enge Verbindung prägte das Erscheinungsbild der damaligen Zeit und vermittelte den Eindruck von Geschlossenheit innerhalb des kaiserlichen Hofs. Sie zeigte aber auch, dass der jugendliche Nero seine Rolle als Kaiser erst finden musste. Die gegebene Ausgangslage mit einem nicht erfahrenen Kaiser und einer Mutter, die fest in den politischen Gefügen ihrer Zeit verankert war, lässt hier schon spätere Konflikte erahnen. Die Stellung Agrippinas in Neros engstem Kreis der Vertrauten und als Stabilitätsfaktor zeigt sich darin, dass Nero sich auch gemeinsam mit ihr auf Münzen darstellen ließ. Und er platzierte sie nicht nur einfach so auf seinen Münzen, sondern mit sich selbst – buchstäblich auf Augenhöhe. Dies könnte darauf hinweisen, dass er Agrippinas Hilfe am Anfang seiner Herrschaft benötigte und ihr so Respekt zollte. Es könnte aber auch auf Agrippinas Macht hinweisen, die dafür gesorgt hatte, auf diese Weise dargestellt zu werden. Die genauen Hintergründe entziehen sich unserer Kenntnis.
Lisette Haag, 6. Bachelorsemester (Universität Heidelberg)