Wer in seiner wissenschaftlichen Laufbahn schon einmal mit der Numismatik zu tun hatte weiß: Vor der Erfassung von Münzdaten gibt es kein Entkommen. Wenn du bereits eine Münze bestimmt hast, waren vielleicht die digitalisierten Münzbestände aus Onlineportalen wie IKMK oder KENOM dein Ausgangspunkt. Das ist möglich, weil die Numismatik bei der Digitalisierung ihrer Bestände im Vergleich zu anderen Grundwissenschaften bereits weit fortgeschritten ist.
Solltest du die oben genannten Portale bereits genutzt haben, so sind dir dabei sicher optische Unterschiede im Design der Seiten aufgefallen. Unsichtbar bleibt für uns Nutzende, dass die Portale im Hintergrund mit unterschiedlichen Erfassungssystemen und Standards arbeiten. Das hat allerdings sichtbare Auswirkungen.
Angenommen, du schreibst eine Arbeit zu Konstantin dem Großen. Du möchtest seine Münzen sichten, um zu verstehen, welche bildlichen Darstellungen er wie häufig prägte. Du suchst also im Portal IKMK nach “Konstantin I” und erhältst (Stand 29.04.2026) 11760 Ergebnisse. Die Suche nach “Constantinus I.” ergibt 10340 Treffer und eine Suche nach “Konstantin der Große” ergibt wiederum 1602 Münzen. Im Portal KENOM gibt es bei “Konstantin I” 1488, bei “Constantinus I” 1376 und bei “Konstantin der Große” 1082 Ergebnisse.
Aber warum unterscheidet sich die Trefferanzahl bei der Recherche nach derselben Person? Und welche davon ist die Richtige? Wir müssen dafür zunächst den Aufbau von numismatischen Daten genauer kennenlernen, um sicherzugehen, dass bei einer Suche auch tatsächlich alle gewünschten Ergebnisse auftauchen.
In den folgenden Modulseiten erfährst du, wie man mit numismatischen Datenbanken trotz dieser Herausforderungen belastbare Ergebnisse erzielen kann. Dabei lernst du, was Normdaten und Ontologien sind und wieso sie – nicht nur in der Numismatik – einen zentralen Bestandteil des Forschungsdatenmanagement ausmachen.
Im zweiten Teil des Moduls beschäftigen wir uns mit der Herausforderung von Erfassung und Interpretation der häufig vagen und unsicheren Münzdaten, denn gerade bei Fundmünzen ist nun einmal wegen schlechter Erhaltung o.Ä. oft nicht sicher zu sagen, welcher Münztyp genau vorliegt. Dazu wird das DFG geförderte NFDI4objects-Projekt „Fuzziness and Wobbliness in Practice“ und dessen Bedeutung für die (numismatische) Forschungsdatenlandschaft kurz vorgestellt.
Das Modul richtet sich demnach in erster Linie an Studierende, die eine numismatische Bachelor-/ Masterarbeit oder eine größere Hausarbeit auf numismatischer Basis schreiben möchten oder sich grundsätzlich für numismatisches Forschungsdatenmanagement interessieren.
Mattia Celisi M.A., Uni Heidelberg