Von einer zu mehreren Tabellen

Wenn wir Münzdaten aus verschiedenen Datenbanken kombinieren wollen, dann liegen sie zunächst auch in verschiedenen Tabellen vor. Deshalb ist ein Grundverständnis für Tabellen essenziell, wenn du komplexere Fragestellungen mit Daten beantworten möchtest.

Nähern wir uns Tabellen anhand einer konkreten Fragestellung: Wir wollen untersuchen, ob die in England gefundenen Münzen von Konstantin dem Großen eher in der Nähe oder abseits der größeren Städte gefunden wurden.

Wir suchen also zunächst einen möglichst umfangreichen, aussagekräftigen Bestand an Münzen von Konstantin mit bekannten Fundorten im heutigen England. Uns interessiert außerdem ihr Material oder Gewicht. Vielleicht sind ja die Münzen in der Nähe von Städten durchschnittlich schwerer oder wertvoller?

Karte der Hortfunde mit Münzen Konstantins des Großen in England, Screenshot aus Coin Hoards of the Roman Empire.

 

Karte der Hortfunde mit Münzen Konstantins des Großen
in England, Screenshot aus Coin Hoards of the Roman Empire.

Für diese Fragestellung eignet sich die Datenbank Coin Hoards of the Roman Empire (CHRE). CHRE erfasst Fundorte, Zusammensetzung, Datierung und weitere Details zu Hortfunden und wird von der Universität Oxford betrieben.

Wenn Du auf die Startseite von CHRE gehst, dann kannst Du dort Deine Suchanfrage eingeben.

Wir suchen hier im Feld „Personen“ nach „Constantine I“ und im Feld „Country“ nach „United Kingdom“. Die Fundübersicht siehst du links in der Graphik. Danach exportieren wir alle als Ergebnis in CHRE angezeigten Fundkomplexe als CSV wie unten gezeigt.

Exportmöglichkeit in CHRE, Screenshot.

 

Exportmöglichkeit in CHRE, Screenshot.

 

Dieser Datenexport bildet unsere erste Tabelle. Jede Zeile im CSV-Export steht dann für einen Fundkomplex samt seiner Koordinaten.

Nun war unsere Fragestellung ja, ob die Münzfunde in der Nähe von römischen Städten wertvoller oder schwerer sind. Um zu untersuchen, wie weit die Fundorte der in CHRE recherchierten Münzen von den römischen Städten in Britannien entfernt sind, benötigen wir weitere Informationen. Wir könnten natürlich manuell jeden Ort in der Liste durchgehen und die Entfernung berechnen. Einfacher ist es, die vom The Oxford Roman Economy Project zusammengestellte Liste aller römischen Städte zu nutzen [Link zum Direktdownload].

 

Römische Städte in Britannien, Screenshot aus der Datenbank des Oxford Roman Economy Project.

 

Römische Städte in Britannien, Screenshot aus der Datenbank des Oxford Roman Economy Project.

 

Wir haben nun zwei Tabellen mit Orten (Fundorte und römische Städte in Britannien), die jeweils durch Koordinaten angegeben sind. Diese Informationen reichen, um für jeden Hortfund die Distanz zur nächsten Stadt zu berechnen. Dazu nutzen wir einfache Formeln, die vielfältig einsetzbar sind. Im Internet gibt es hervorragende Guides, zum Beispiel von Microsoft selbst. Im Folgenden die detaillierte Anleitung:

Setup:

Leider gibt es bei Tabellenprogrammen wie Microsoft Excel oder Google Sheets große Unterschiede, je nachdem, welche Spracheinstellung ausgewählt wurde. Um die englischsprachigen CSV-Exportdaten aus CHRE zu lesen, müssen wir unser Programm auf Englisch umstellen.

Das geht in Google Sheets wesentlich einfacher als in Excel. Klicke dafür in einem leeren Tabellenblatt unter dem Reiter „Datei“ auf „Einstellungen“. Wähle dann bei „Land/Sprache“ die Vereinigten Staaten, setze ein Häkchen bei „immer die englischen Bezeichnungen für Funktionen verwenden“ und speichere die Einstellungen.

Import:

Jetzt können wir die Daten in Sheets importieren. Wir gehen dazu wieder auf „Datei“, „Importieren“ und laden die Dateien der Hortfunde und der Städte hoch.

 

Import der CSV-Dateien in Sheets. Screenshot.

Wichtig: Speicherort: „Neues Tabellenblatt“, Trennzeichentyp: „Komma“ und bei „Text in Zahlen, Daten und Formeln konvertieren“ ein Häkchen setzen. Jetzt sollten die Zahlen in den Spalten „latitude“ und „longitude“ als Zahlen mit Punkt als Trennzeichen rechtsbündig dargestellt werden. Falls nicht, überprüfe die oben genannten Schritte.

 

 

Städtedaten in benannte Tabelle konvertieren,
eigene Darstellung.

Jetzt müssen wir der Tabelle der Städte noch einen Namen geben - das ist für die Formel zur Distanzberechnung notwendig, mit der wir uns gleich befassen. Dazu wählen wir alle Daten aus und klicken im Reiter „Format“ auf „In Tabelle konvertieren“. Anschließend ändern wir den Namen ganz links dargestellt in „Hanson_Cities“.

 

Distanz berechnen:

Jetzt wollen wir eine neue leere Spalte wie unten dargestellt einfügen: Dafür machen wir einen Linksklick auf Spalte L „altitude“, anschließend einen Rechtsklick und geben an, dass die Spalte links eingefügt werden soll.

 

 

Zielformat der Koordinaten in der Tabelle, Screenshot.

 

In dieser leeren Spalte, die wir nun links eingefügt haben werden wir die Distanz zur nächsten Stadt berechnen. An der genauen Mathematik, wie man die Distanz von zwei Koordinaten auf einer Sphäre – wie der Erde – berechnet, sind wir nicht interessiert. Wir brauchen nur die geeignete Formel, die wir in Excel eintragen können. Diese lautet:

=IF(OR(ISBLANK(J2), ISBLANK(K2)), "", MIN( MAP( Hanson_Cities[Latitude (Y)], Hanson_Cities[Longitude (X)], LAMBDA(lat,lon, 6371*ACOS( COS(RADIANS(90-J2))*COS(RADIANS(90-lat))+ SIN(RADIANS(90-J2))*SIN(RADIANS(90-lat))* COS(RADIANS(K2-lon)) ) ) ) ) )

Tragen wir diese Formel in die Spalte neben unseren Fundorten ein, erscheint die Distanz in Kilometern zur nächsten Stadt. Die Formel geht davon aus, dass die Spalte K „longitude“ und die Spalte J „latitude“ ist, falls die Spaltennamen bei dir anders sind, ersetze J2 / K2 in der Formel durch die entsprechenden Buchstaben.

 

 

 

Distanz der Koordinaten von Fundmünzen zu britischen Städten, eigene Darstellung.

 

Wenn wir anschließend die Spalte der minimalen Distanz auswählen und im Reiter „Einfügen“ auf „Diagramm“ klicken, erscheint ein Schaubild wie unten:

 

Schaubild der Distanz von Fundorten zu britischen Städten in Kilometern, eigene Darstellung.

 

Mit der ausgerechneten Distanz können wir interessante Auswertungen durchführen. Es zeigt sich zum Beispiel, dass die meisten Münzen nicht in Städten, sondern ihrer näheren Umgebung gefunden wurden. Das verwundert allerdings auch nicht, da die römischen Städte in Großbritannien heute dicht besiedelt und damit versiegelt sind.

Weitere Auswertungen mit anderen Tabellenspaltenspalten im Fokus sind aber natürlich auf die gleiche Weise umsetzbar. Wenn du direkt praktisch üben möchtest, dann klicke hier.

 

Mattia Celisi, Universität Heidelberg

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