'noscere me duplici posses ut imagine' dixit 'ni vetus ipsa dies extenuasset opus.’
„Dass du mich in dem doppelten Bild erkennen könntest“, sagte er, „falls das Alter jener Tage das Münzbild nicht verblassen gelassen hätte“.
(Ov. fast. 1, 231–232, eigene Übersetzung)
Diese Anmerkung legte Ovid dem zweigesichtigen Gott Ianus in Bezug auf Münzen, die sein Konterfei tragen, in den Mund.
Das Zitat bietet einen möglichen Ansatz, um die Funktion von Restitutionsprägungen zu ergründen. Dabei verweist es auf gleich zwei der skizzierten Forschungsinterpretationen zum Zweck der Restitutionen:
So wie das Münzbild den Betrachter an den Gott Ianus erinnert, könnten auch Restitutionsprägungen Erinnerungen an die Persönlichkeiten oder Ereignisse, die auf den Originalmünzen dargestellt wurden, wachgerufen und sie damit geehrt haben.
Daneben spricht das Zitat auch ein ganz allgemeines Problem von Umlaufmünzen an: Im Laufe der Zeit nutzt sich das Material ab. Hier setzt jene Forschungsthese an, wonach die Restitutionsprägungen an nicht mehr umlaufsfähige, abgenutzte Münzen erinnern sollen (vgl. Komnick 2001, 12–26).
In diesem Zusammenhang wurde in der Forschung häufig folgende Passage aus dem Geschichtswerk des Cassius Dio herangezogen:
Τό τε νόμισμα πᾶν τὸ ἐξίτηλον συνεχώνευσε
Er [=Traian] ließ auch die abgegriffenen Münzen einschmelzen. [...]
(Cass. Dio 68, 15, 3, Übersetzung nach O. Veh)
Auch wenn in der Quelle keinerlei Angaben dazu gemacht werden, was mit dem Metall der eingeschmolzenen Münzen geschah, sehen einige Historiker in dieser Anmerkung einen Zusammenhang mit der Restitutionsserie Traians: Demnach sollten diese Münzen bewahrt werden, indem sie in Form von Neuauflagen zurück in den Geldkreislauf gebracht wurden (vgl. Übersicht bei Komnick 2001, 12–16, Diskussion ebd. 158–164).
Solche Interpretationen lassen allerdings die getroffene Auswahl der restituierten Vorlagen und die damit verbundenen Münzbotschaften außer Acht, die eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben durften (vgl. Seelentag 2004, 419f.).
Franziska Nober, Universität Heidelberg
Weiterführende Quellen und Literatur:
Cassius Dio: Römische Geschichte; Vol. 5: Epitome der Bücher 1–80, übers. O. Veh. Düsseldorf 2007.
Komnick, H: Die Restitutionsmünzen der frühen Kaiserzeit. Aspekte der Kaiserlegitimation, Berlin 2001.
Publius Ovidius Naso: Fasti, hrsg. E.H. Alton et al. Leipzig 1978.
Seelentag, G: Taten und Tugenden Traians. Herrschaftsdarstellung im Principat, Stuttgart 2004.