Restitutionsserien sind meist an konkrete Anlässe gebunden und dürften auch in deren Kontext zu interpretieren sein.
Dies zeigt sich auch bei den Restitutionsprägungen von Traians Amtsvorgängern. So sind Titus’ und Domitians Restitutionen sehr wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Vergöttlichung ihrer verstorbenen Vorgänger entstanden: bei Titus die Konsekration seines Vaters Vespasian, bei Domitian wiederum die seines Bruders Titus. Hinweise darauf geben ihre Kaisertitulaturen, die eine grobe zeitliche Einordnung zulassen sowie ein Vergleich mit ihren übrigen Münzemissionen.
Kaiser Nervas Restitutionen können anhand von ähnlichen Kriterien etwa um die Zeit der Meuterei der Prätorianer und der Adoption Traians (97 n. Chr.) verortet werden.
Zum Prägeanlass für Nervas Restitutionen können die ausgewählten Münzbotschaften noch genaueren Aufschluss geben: Nerva restituierte ausschließlich Münzen, die dem Divus Augustus gewidmet waren – unter anderem eine Tiberius-Prägung, welche dessen Adoption gedachte (vgl. M1).
| M1: Beispielhafte Münze des Tiberius mit einer Darstellung der Ara Providentia: As für Augustus, nach 22 n. Chr., Rom, Bronze, Landesmuseum Württemberg Inv.-Nr. MK 17362a. | |
Dargestellt ist die Ara Providentia, ein Altar in Rom, der der göttlichen Vorsehung und Weisheit gewidmet gewesen ist. An diesem Altar soll Augustus anlässlich der Adoption des Tiberius, den er an jenem Tag als Sohn annahm, der Personifikation der Providentia (der weisen Voraussicht) ein Opfer dargebracht haben. Das Motiv signalisierte, dass der erste Princeps zweifellos die richtige Wahl bei der Nachfolgeregelung getroffen hatte, da die Adoption im Zeichen göttlicher Voraussehung stand.
Es dürfte schwerlich Zufall sein, dass Nerva genau diese Münze auswählte (und auch seine gesamte Serie dem vergöttlichten Augustus widmete). So war Augustus der erste, der sich in Ermangelung eines direkten männlichen Nachkommens dem Mittel der Adoption bediente.
Damit bot sich Nerva ein Präzedenzfall an, auf den er sich bei seiner Adoption Traians berufen konnte. Denn er hatte ja durchaus Interesse daran, die Legitimität dieser Art der Nachfolgebestimmung sowie die Voraussicht bei seiner Entscheidung zu betonen. Und was könnte sich dazu besser eignen, als das Modell des großen Augustus in Erinnerung zu rufen?
Franziska Nober, Universität Heidelberg