Der Revers: Eine son(n)derbare Gestalt

 

In der Mitte des Bildfeldes strahlt Sol Invictus in seiner vollen Pracht als Ganzkörperdarstellung. Zu erkennen ist er an seinen Attributen, die ja bereits auf seiner eigenen Modulseite vorgestellt wurden: Auf dem Kopf trägt er die Strahlenkrone und in seiner Linken hält er die Erdkugel. In anderen Prägungen umfasst der Gott eine Peitsche. Die rechte Hand hebt er leicht in die Höhe und um die Schultern liegt ihm eine chlamys, ein griechischer Militärmantel, deren Ende beinahe den Boden streift. Abgesehen von diesem Mantel ist der Gott nackt.


Follis des Kostantin (Avers), Trier 310-313 n. Chr.,
Universität Heidelberg Inv. N73062;
RIC VI Treveri 866a

Schriftlich ergänzt wird das Bild durch die Legende SOLI INVICTO COMITI, die die Münze dem Gott, also der ‚unbesiegten Sonne‘, widmet und den Gott als comes, also Begleiter, des Kaisers bezeichnet.

Im Abschnitt der Münze lassen sich die Buchstaben P TR erkennen, die uns verraten, dass dieses spezifische Exemplar in der ersten Prägewerkstatt (Offizin) im heutigen Trier geprägt wurde.

Im linken Feld findet sich ein T neben Sol und im rechten der Buchstabe F. Dabei lässt sich über deren Bedeutung nichts Handfestes sagen. Einige Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass diese Buchstaben keinen kommunikativen Anspruch besaßen und lediglich zur Unterscheidung verschiedener Ausgaben (Emissionen) dienten.

Während dem Gott die Welt buchstäblich in der Hand liegt – wodurch er für sich und seinen Begleiter bildlich die Weltherrschaft verkündet – spiegelt seine erhobene Hand eine weitverbreitete Geste der Staatsikonographie wider, die mit der sog. adlocutio, also Truppenansprache verknüpft wird. Somit richten sich Sol – und mit ihm die Münze – an ein spezifisches Publikum, auf das Konstantin in Zeiten des Krieges besonders angewiesen ist: Das Heer.

Auch auf dem Revers variiert jedoch die konkrete Darstellung des Sol in den verschiedenen Prägestätten. Neben der bereits gezeigten, häufigsten Variante wird die Gottheit auch so dargestellt:

Dieser Sol hält zusätzlich eine Peitsche.

 

Follis des Kostantin (Revers), Londinium 310-312 n. Chr., Universität Heidelberg, Inv. ID1052; RIC VI Londinium 166

Ein anderer Sol schreitet tapfer voran.

 

Follis des Kostantin (Revers), Arles 313 n. Chr., KHM Wien, Inv. ID191957; RIC VII 19

Dieser wiederum lenkt eine Quadriga.

 

Follis des Kostantin (Revers), Londinium 316 n. Chr., KHM Wien, Inv. RÖ26285; RIC VII 81

Hier blickt Sol geradeheraus auf den Betrachter.

 

Follis des Kostantin (Revers), Rom 312-313 n. Chr., KHM Wien, Inv. ID78395; RIC VII 317

Manchmal bewacht der Gott auch Gefangene.

 

Follis des Kostantin (Revers), Aquileia 312-313 n. Chr., HHU Düsseldorf, Inv. ID3878; RIC VI 328

 

Hier nicht abgebildet sind Varianten, bei denen eine Victoria über dem Globus schwebt oder ein auffälliges Kreuz, möglicherweise auch nur als Kontrollzeichen, neben Sol auftaucht.

Wie aber lässt sich die Darstellung des Sonnengottes konkret in Konstantins Kommunikationsstrategie einbinden?

>> Lest dazu einfach auf der nächsten Seite weiter! <<

 

 

Jonas Wendtland, 5. Bachelorsemester, Universität Heidelberg

Fehler Bitte beantworten Sie alle Fragen