Poseidon als Schutzgottheit

 

„Über Poseidon, den großen Gott, beginn ich zu singen,

den Erschütterer der Erde wie auch des gewaltigen Meeres,

den Beherrscher der See (…)

Pferdebändiger bist du und gleichzeitig Retter der Schiffe.

Sei mir gegrüßt, Poseidon, Erdhalter, Dunkelbehaarter,

Seliger gütigen Sinns: beschütze uns auf der Schifffahrt.“

 

Homerische Hymne XXII. An Poseidon (übersetzt von L. Bernays)

 

Göttlicher Schutz war für das Funktionieren der Städte von entscheidender Bedeutung, da er ihren Wohlstand sicherte. Die Erhebung einer Gottheit zum Schutzpatron und die Schaffung von Mythen zur Rechtfertigung dieser Wahl bettete jede Stadt in einen umfassenderen mythologischen Rahmen ein. Obwohl viele Götter unter den Griechen weithin verehrt wurden, variierte die Art ihrer Kulte von Region zu Region erheblich, wie die zahlreichen Beinamen und Mythen belegen, die mit jeder Gottheit verbunden sind.

Die Wahl einer Schutzgottheit kann spezifische Merkmale der Stadt offenbaren und entscheidende Ereignisse ihrer Geschichte hervorheben. So wurde die Bedeutung einer Stadt oft verstärkt, zum Beispiel, eine der bekanntesten Legenden über Poseidon erzählt von seinem Wettstreit mit Athene um die Schutzherrschaft der Stadt Athen. Poseidon bot das erste Pferd und eine Salzwasserquelle als Geschenke an, die Macht über das Meer symbolisieren. Athene hingegen schenkte den ersten Olivenbaum, der für Frieden und wertvolle landwirtschaftliche Ressourcen wie Nahrungsmittel, Öl und Holz stand. Die Athener Bürger entschieden sich schließlich für Athenes Geschenk und wählten sie zur Namensgeberin und Schutzpatronin ihrer Stadt

Die Darstellung der Schutzgottheit, zusammen mit ihren Symbolen oder den Mythen, in denen sie eine zentrale Rolle spielt, ist ein prägender Aspekt der Münzikonographie. In bestimmten Fällen war die Betonung der Schutzgottheit so ausgeprägt, dass entsprechende Themen auf beiden Seiten derselben Münze auftauchten, wie man am Beispiel des Staters aus Poseidonia beobachten konnte.

 

Poseidonia Stater mit Poseidon und Bulle,
Poseidonia um 450 v. Chr., Numismatische Sammlung
der Universität Heidelberg [Invnr. N97008].

 

Poseidon, eine der ältesten Gottheiten des Dodekatheon (vgl. Infobox), wurde zum Schutzpatron zahlreicher Städte und gab einigen von ihnen seinen Namen. Als Gott des Meeres wurde er auf den Münzen der Kolonien abgebildet, da die neuen Siedler sicher ihr Ziel auf dem Seeweg erreichten. Seewege sicherten die Verbindung zwischen den Kolonien und ihren Mutterstädten und erleichterten die Handelsbeziehungen mit anderen Regionen.

Auch Poseidonia, einer Kolonie von Sybaris in Süditalien, wählte Poseidon als ihre Schutzgottheit. Auf diesen Münzen ist der Gott des Meeres mit seinem Dreizack und seinem heiligen Tier, dem Stier, abgebildet. In Potidaea, einer korinthischen Kolonie in Chalkidike, wo er als Poseidon Hippios verehrt wurde, war er als Reiter mit Dreizack dargestellt.

 

 

 

Poseidon sitzt auf einem Schiffsbug (prora), in der einen Hand hält er ein Zepter und bekränzt Athena Promachos mit der anderen, Arados 170-169 v. Chr., Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin [Objektnr. 18258229].
Links: Dreizack mit doppelten Spitzen, Rhaukos ca. 320-270 v. Chr.
Rechts: Poseidon steht in der Vorderansicht mit einem Dreizack und hält ein Pferd am Zügel, Rhaukos ca. 320-270 v. Chr., Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin [Objektnr. 18200334].
Kopf des Poseidon mit Haarband (tänie), im Hintergrund ist ein Dreizack und ein Stierkopf, Brettii um 2010 v. Chr., Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin [Objektnr. 18200333].
Poseidon steht nackt mit einem Fuß auf einem Schiffsbug (prora) und hält einen Delfin, Phokaia 193-217 n. Chr., Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin [Objektnr. 18209155].
Karte mit Orten, die Münzen mit Poseidon oder seine
Attribute prägten (Auswahl), OpenStreetMap (18.01.2026).
Ansicht des Hafens von Patras. Tempel mit Statue des Poseidon, Kolonaden und zwei Schiffen, Patras ca. 198-209 n. Chr., Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin [Objektnr. 18281770].
Nach oben gerichteter Dreizack, um dessen Schaft sich ein Delfin emporwindet, Byzantion ca. 2. Jh. n. Chr., Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin [Objektnr. 18235281].
Dreizack mit Volutenverzierung, Thessalischer Bund 470-450 v. Chr., Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin [Objektnr. 18213231].
Bärtiger Kopf des Poseidon (?) mit Kranz, kleinem Dreizack und Thunfisch, Kyzikos ca. 410-334 v. Chr., Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin [Objektnr. 18265540].
Poseidon sitzt auf einem Hocker und hält einen Dreizack. Er hat den Kopf nach unten zu dem vor ihm stehenden Taras geneigt, Tarent um 320 v. Chr., Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin [Objektnr. 18214714].

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

M. Dilger, 3. Semester M.A., Universität Heidelberg

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