Ein Nilpferd in Rom?

 

Ein Nilpferd auf einer römischen Münze – was hat das zu bedeuten? Gab es etwa Nilpferde in Italien? Und wenn nicht, wie ist die Darstellung dieses Tieres auf einer Münze, die in der Gegend um Rom gefunden wurde und deshalb wahrscheinlich der dortigen Prägestätte entstammt, zu erklären?

 

Antoninian des Philippus Arabs, 248 n. Chr. Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin Inv. Nr. 18204465.

 Der Revers zeigt ein Nilpferd. Legende: SAECVLARES AVGG IIII. 

 

Ganz einfach: Die Römer waren fasziniert von exotischen Tieren! Konfrontiert wurden sie mit diesen vorher unbekannten Lebewesen meist während ihren Kriegszügen. So nutzte zum Beispiel einer der frühen Gegner der Römer, der griechische König Pyrrhus I. von Epirus, Kriegselefanten. Diese wurden dann nach dem Sieg der Römer mit zurück nach Rom gebracht und in einem Triumphzug der städtischen Bevölkerung präsentiert.

Auch Tiere, die nicht in Italien einheimisch waren, waren den Römern also bekannt. Diese gelangten auch nicht nur wegen militärischer Siege nach Rom. Die römische Oberschicht importierte ebenfalls eine Vielzahl an Tieren, um sie für die Veranstaltung von Spielen und Tierhatzen (venationes) zu nutzen. Ihre Ausstellung bot dabei eine Erweiterung der traditionellen Spielveranstaltung, die aus Pferderennen und Theaterstücken bestand. Die ersten Tierhatzen fanden schon 186 v. Chr. statt und die Tradition blieb bis in die Spätantike bestehen. 


Das Kolosseum in Rom. Hier fanden die spektakulären Tierhetzen der Kaiserzeit statt. Bild von Weldon Kennedy.

Solche venationes waren aber sehr kostspielig. Da gerade außergewöhnliche Tiere sehr begehrt waren, mussten diese oft aus entlegenen Gegenden erst nach Rom gebracht werden. Der Import war daher teuer, und die Veranstalter solcher Hetzen waren deshalb für die Finanzierung von persönlichen Freundschaften und Kontakten abhängig. Selbst Cicero wurde von seinen Freund Marcus Caelius Rufus angehalten, ihm während seiner Statthalterschaft in Kilikien einige Panther zu senden: 

“In nearly every letter I have mentioned the subject of the panthers to you. It will be a disgrace to you that Patiscus has sent ten panthers to Curio, and that you should not send many times more.”

- M. Caelius Rufus an Cicero (Cic. fam. 8.9. übersetzt nach E. Shirley Shuckburgh)

Warum gerade außergewöhnliche Tiere begehrt waren, hat etwas mit Politik zu tun. Durch die Veranstaltung von Spielen konnten sich Teile der regierenden Oberschicht bei der Bevölkerung beliebt machen – und, um ihre Konkurrenten, die dasselbe planten, zu übertreffen, konnten sie sich durch die Präsentation besonders außergewöhnlicher oder besonders vieler Tiere hervorheben. Deswegen brachte man auch außerhalb von militärischen Erfolgen Löwen, Panther und Tiger sowie später Nilpferde, Kamele und Nashörner etc. nach Rom.  

Auch nach dem Ende der Römischen Republik blieben die Tierhatzen neben den Gladiatorenkämpfen eine der beliebtesten Veranstaltungsformen. Sie wurden während der Kaiserzeit sogar noch spektakulärer: Der Kaiser konnte viel mehr Tiere nach Rom bringen lassen, als die auf ihr eigenes Geld angewiesenen Beamten der Römischen Republik. Zudem vergrößerte sich auch das Römische Reich während der Kaiserzeit immer weiter: Damit nahm die Anzahl an Tieren, die präsentiert werden konnten, ebenfalls zu.                             

Den besonderen Grund, aus dem "unser" Nilpferd nach Rom kam, erfahrt ihr auf der nächsten Seite!           

 

Sophia Kiefer, 4. Semester, Universität Heidelberg.                

 

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