Neben Kyros, Alexander und Pompeius ist er eine von vielen herausragenden Gestalten der Antike, die die Geschichtsschreibung mit dem Beinamen des „Großen“ entlohnte. Diese Größe erkennen erstmals nicht nur seine polytheistischen, sondern auch christlichen Zeitgenossen an. Doch auch Konstantin fing einmal klein an.
Der spätere Kaiser wurde irgendwann zwischen 272 und 288 n. Chr. als unehelicher Sohn der aus einfachen Verhältnissen stammenden Bithynierin Helena in Naissus – heute in Serbien gelegen – geboren. Sein Vater Constantius I. war ein hoher Militär, der 293 n. Chr. zum Caesar und 305 n. Chr. zum Augustus der wenige Jahre zuvor etablierten Tetrarchie aufstrebte. Doch der neugewonnene Ruhm war von kurzer Dauer. Wenige Monate nach seiner Beförderung starb der jüngst eingesetzte Kaiser in Eboracum (York in Großbritannien).
Als Reaktion auf das plötzliche Ableben des Constantius riefen die britischen Truppen prompt seinen Sohn Konstantin als dessen Nachfolger aus. Dabei übergingen sie die Autorität der übrigen Tetrarchen. Diese wurden zähneknirschend dazu gezwungen, sich dem Willen der Truppen zu beugen und an Stelle eines eigens bestimmten Kandidaten, Konstantin in der Position eines Caesar zu bestätigen: Im stabilitätsstiftenden System der Vierkaiserherrschaft taten sich erste Risse auf, die in den Folgejahren dazu führen sollten, dass die alte Ordnung merklich zu bröckeln begann.
Dem konstantinischen Beispiel folgend, lassen sich im gesamten Reich immer wieder Generäle durch ihre Truppen zum Kaiser ausrufen und auch Konstantin gibt sich mit seiner Rolle als Caesar nicht zufrieden. Die widerstreitenden Bestrebungen der zeitweilig sieben Augusti treiben die Provinzen unweigerlich in einen Bürgerkrieg, bzw. mehrere Bürgerkriege, die nicht nur auf dem Schlachtfeld zahlreiche Opfer forderten. Zu diesen Opfern zählte nicht zuletzt auch das politische System selbst.
In einem Wirrwarr stetig wechselnder Fronten, Allianzen und Zeiträumen vermeintlichen Friedens gelang es Konstantin, sich als einer der beiden rechtmäßigen Herrscher im Westen zu beweisen. Seit einer den Sieg voraussagenden Vision im Jahre 310 n. Chr., überbracht durch den Sonnengott höchstpersönlich, begleitete Sol Invictus – die unbesiegbare Sonne – den Kaiser als Schutzgottheit auf seinen Münzen im Kampf gegen seinen Rivalen Maxentius im Westen.
|
Dieses kleine Video zeigt die territorialen Verhältnisse im tetrarchischen Rom hin bis zur Alleinherrschaft des Konstantin. CC 3.0: Ssolbergj; ArdadN; Cjcaesar |
Erst 324 n. Chr. errang Konstantin die Alleinherrschaft, allerdings schon lange nicht mehr unter dem Zeichen des Sol. Vor seinem entscheidenden Sieg an der Milvischen Brücke des Jahres 312 n. Chr. soll ihm nämlich ein Zeichen des christlichen Gottes erschienen sein, der ihm, so seine Überzeugung, maßgeblich zum Sieg verhalf.
Die kommenden Jahre seiner Herrschaft sind geprägt durch eine Politik religiöser Freiheit und Toleranz, einer aktiven Förderung und Normalisierung des christlichen Glaubens im gesamten Römischen Reich, eine Reformierung der strauchelnden Wirtschaft und den glamourösen Ausbau einer neuen Hauptstadt: Konstantinopolis (das heutige Istanbul). Zur Taufe des Konstantin kommt es aber wahrscheinlich erst sehr kurz vor seinem Tod im Jahre 337 n. Chr. Bis auf Julian Apostata wird jeder weitere Kaiser seinem Beispiel folgen: Somit beschreibt Konstantin eine der ersten Seiten in der langen Erfolgsgeschichte des Christentums.
>> Aber wer genau war sein letzter göttlicher Begleiter Sol Invictus? <<
Jonas Wendtland, 5. Bachelorsemester, Universität Heidelberg