Auf Regen folgt Sonnenschein, aber auch dieser kann nicht ewig andauern. Im Jahr 318 n. Chr. versiegt das altbekannte Bild des Sonnengottes Sol Invictus auf den Bronzemünzen des Konstantin ein für allemal. Lediglich in geringer Auflage taucht die Gottheit lokal und nur für kurze Zeit auf Prägungen in Trier und Thessaloniki auf, bevor andere Symbole die Stempel des Reiches erobern. Anderes gilt für die wertvollen, goldenen Solidi des Kaisers – auf diesen überdauerte Sol noch bis ins Jahr 325 n. Chr., wie dieses Exemplar aus Antiochia in beeindruckender Ausführung zu belegen vermag:
Der rechts im Bild stehende Konstantin, in militärischer Kleidung und mit Lorbeerkranz, erhält von seinem göttlichen Begleiter Sol, dieser ist hier links im Bild an seiner Strahlenkrone zu erkennen, ein allerletztes Mal die durch Victoria auf einem Globus symbolisierte Weltherrschaft überreicht. Der Sonnengott wirkt hier keinesfalls als Randfigur. Ob der Kaiser zu diesem Zeitpunkt wusste, dass dies seine letzte numismatische Begegnung mit seinem treuen Gefährten sein würde? Diese späten Goldmünzen deuten zumindest an, dass er der Elite des Reiches diesen Wandel behutsam beibringen wollte.
Bei einer Betrachtung der konstantinischen Motive der Folgejahre zeigt sich, dass diese Entwicklung in keinem Fall mit einem Ende der solaren Beziehung gleichgesetzt werden sollte. Während Sol als Individuum aus der Repräsentation des Kaisers verschwindet, trägt Konstantin die Sonne längst schon im Herzen – und auf dem Kopf. Dies beweisen mehrere Münzserien, in deren Rahmen der Kaiser mit einem Nimbus bekrönt erscheint. Ein Vorbild, an dem sich auch noch seine christlichen Nachfolger orientieren werden. Auch die Strahlenkrone tritt immer wieder auf.
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Konstantin mit Nimbus über dem Haupt thront zwischen seinen Söhnen. Schwefelpaste Nachbildung nach 9 Solidi des Konstantin (Revers), Konstantinopel 330 n. Chr., Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Obj. 18271401 RIC VII Konstantinopel 44 |
Iustinian mit Nimbus; Mosaik eines Apsisgewändes, San Vitale, Ravenna, 547 n. Chr. CC 4.0: Petar Milošević |
Hinzu kommt die breite Bevölkerung, in deren Gedächtnis das intensive Bildprogramm der frühen Jahre des Augustus einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. So finden sich in den zahlreichen Ehrungen gegenüber Konstantin immer wieder Adjektive wie leuchtend, strahlend oder sogar Gleichsetzungen mit der „allsehenden Sonne“. Eingemeißelt in die 328 n. Chr. errichtete Konstantinsäule, verkündete eine historisch überlieferte Inschrift dem Betrachter:
„Für Konstantin, der gleichsam der Sonne strahlt“.
(Leo. Gram. 34, 87, 17, hrsg. v. I. Bekker, übers. nach Autor)
Die Spitze des Monuments bildete mit großer Wahrscheinlichkeit eine kolossale Statue des heroisch-kleiderlosen Kaisers mit Strahlenkrone.
Trotz der zentralen Position, die die gezeigten Abbildungen in der Repräsentation des Kaisers einnehmem, darf insgesamt von einem zahlenmäßig radikalen Bruch mit der frühen Dominanz des Sol Invictus gesprochen werden. Dieser findet sich bereits in minimalen Nuancen wieder. Trug Konstantin zuvor stolz den Beinamen „Invictus“ (der Unbesiegte), wich dieser dem Ausdruck „Victor“ (der Sieger) ohne dabei übermäßig seine Bedeutung einzubüßen. Die dem Sol zugeschriebenen Attribute erreichen somit eine Salonfähigkeit in Form entkoppelter Symbole der Kaiserherrschaft.
Wie konnte es aber überhaupt so weit kommen, dass sich Konstantin auf dem Höhepunkt seiner Regierungszeit in seinem Bildprogramm neu orientierte? Einen möglichen Ansatz liefert dabei die sogenannte „Konstantinische Wende“...
Weiterführende Literatur:
Leo. Gramm.: Leo Grammaticus, Chronographia. Scriptorum Historiae Byzantinae 31, übers. v. I. Bekker, Bonn 1842.
Jonas Wendtland, 6. Bachelorsemester, Universität Heidelberg