Theseus‘ Heimkehr

Nach dem Sieg über den Minotauros flieht Theseus mit der Königstochter Ariadne von Kreta. Doch auf Naxos verlässt er sie – ein Punkt, den insbesondere der römische Dichter Ovid dichterisch aus der Perspektive der Ariadne ausleuchtet:

„[...] und ich war´s, die sie schönde verriet,

da ich, damit du gewännst und nicht in den Irrgängen umkämst,

Dir den Faden gab, daß er die Schritte dir lenk´. 

Mehrmals sagtest Du mir: „Ich schwöre bei diesen Gefahren:

Bleiben am Leben wir zwei, wirst du die Meine stets sein!“

Theseus, wir leben, und ich bin nicht dein – soweit man von Leben

spricht bei der Frau, die ein Mann feig durch den Treubruch begrub.

Hättest du mich wie den Bruder, du Schuft, mit der Keule erschlagen -

von dem Wort, das du gabst, hätte mein Tod dich erlöst!“

- Ov. Her. X. 70-76, Übersetzung nach B. W. Häuptli

Während der Athener sie in manchen Überlieferungen auf Befehl der Götter zurücklässt, verstößt er sie in anderen aus Sorge vor dem Zorn des Minos. Auf Naxos begegnet die Zurückgelassene dann jedoch dem Gott Dionysos, der sie zu seiner Gemahlin nimmt und ihr später Unsterblichkeit verleiht. Das Motiv der dionysischen Braut wird in der römischen Münzprägung oft aufgegriffen.

Bronzemünze aus Perinthos unter Severus Alexander (222–235 n. Chr.) mit der drapierten, lorbeerbekrönten Panzerbüste des Kaisers samt Aegis (Avers) und der dionysischen Szene mit Dionysos und der schlafenden Ariadne auf Naxos, begleitet von Pan, Satyrn und Papposilen (Revers). [M. Bernhart, Dionysos und seine Familie auf griechischen Münzen, JNG 1, 1949, 125 Nr. 979 Taf. 6,18]

© Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Reinhard Saczewski

Theseus‘ weiterer Rückweg nach Athen führt letztlich zu einer Tragödie: Er vergisst, das verabredete weiße Segel zu setzen, das seinem Vater Aigeus den glücklichen Ausgang der Mission signalisieren sollte. Als dieser ein Schiff mit schwarzen Segeln sieht, glaubt er seinen Sohn tot und stürzt sich ins Meer, das fortan seinen Namen trägt: die Ägäis.

 

Marie E. Wörner, 1. Semester M.A. Classics (Universität Heidelberg)

 

Weiterführende Literatur:

Publius Ovidius Naso: Liebesbriefe. Hrsg. u. Übers. v. Häuptli, B. W.; München/Zürich 1995.

 

Fehler Bitte beantworten Sie alle Fragen