Traians Restitutionsmünzen heben sich – neben den Nominalen und der Zeitperiode der gewählten Vorlagen – auch in der Gestaltung der Münzmotive von denen seiner Vorgänger ab: Es handelt sich selten um exakte Kopien der Prototypen. Die Motive und Legenden wurden zumeist auf die eine oder andere Weise überarbeitet.
Manchmal wurden einzelne Bild- und Legendenelemente der Vorlage verändert:
Das vorliegende Exemplar (M1) verzichtete zum Beispiel auf die Abbildung des Hammers, der beim Original (M2) an den Fuß der Brunneneinfassung (Puteal) angelehnt war. M2 erinnert an die Renovierungsarbeiten am Puteal Scribonianum, die der Münzmeister Lucius Scribonius Libo in Auftrag gegeben hatte. Der auf der Originalmünze abgebildete Hammer könnte auf den Gott Vulcanus verweisen, welcher dem Mythos zufolge die Blitze seines Vaters Iupiter schmiedete.

Daneben gibt es auch hybride Prägungen, das heißt mit frei kombinierten Vorder- und Rückseiten, die eigentlich nicht in dieser Weise zusammengehörten.
Die Freiheiten, die sich die Stempelschneider und ihre Auftraggeber nahmen, konnten sogar so weit gehen, dass komplett neue Typen entwickelt wurden, bei denen man streng genommen gar nicht mehr von einer Restitution/Neuauflage sprechen kann:
Für das Porträt des vergöttlichten Caesar auf dem Avers dieser Münze (M3) gibt es z.B. keine direkte Vorlage. Dieser Avers-Darstellung wurde ein Rückseitentyp beigefügt, der erstmals unter Claudius Einzug in die Münzprägung gehalten hatte (M4) und ursprünglich mit einem anderen Aversbild kombiniert gewesen ist.
Abgebildet ist Nemesis, die Göttin der ausgleichenden Gerechtigkeit. Die Verbindung dieser beiden Bildtypen kommt wohl nicht von ungefähr: Dem antiken Betrachter dürfte der Bezug zu der Verfolgung der Mörder Caesars durch dessen Adoptivsohn Oktavian und Marc Anton in den Sinn gekommen sein. Denn für Caesars Tod sollte genau jene gerechte Vergeltung geübt werden, für die die Göttin Nemesis symbolisch steht.
Solche indirekten Verweise auf dynastische oder familiäre Bezüge der dargestellten Persönlichkeiten (und mit ihnen verbundenen Ereignisse) finden sich häufig bei den traianischen Restitutionsmünzen. Doch dazu mehr an anderer Stelle...
Franziska Nober, Universität Heidelberg