Die literarische Überlieferung zu Neros Bauprojekten ist vor allem durch drei Autoren geprägt: Tacitus, Sueton und Cassius Dio. Diese Texte sind einer durchweg senatorisch-aristokratischen Perspektive verpflichtet und zeichnen daher ein überwiegend negatives Bild des Kaisers. Dennoch bieten sie wertvolle Informationen über Bauvorhaben, städtebauliche Reformen nach dem berühmten Rombrand und die Reaktion der römischen Öffentlichkeit. Ergänzend liefert Plinius der Ältere verstreute Hinweise auf Materialien, Kunstwerke und Baukosten.
Daneben geben auch die Münzen Neros wichtige Auskünfte über seine Baupolitik. Die kaiserliche Münzprägung diente nicht nur wirtschaftlichen Zwecken, sondern auch der politischen Kommunikation. Auf den großflächigen Bronzemünzen – besonders den Sesterzen und Dupondien – ließen sich architektonische Darstellungen detailliert abbilden. Diese numismatischen Zeugnisse sind oft die einzige bildliche Quelle für Bauwerke, die heute nicht mehr erhalten sind. Zu den bedeutendsten Bauprojekten gehörten der Ausbau des Hafens von Ostia, die Thermen des Nero, die Domus Transitoria, der Janustempel oder, nachdem die Domus Transitoria nach dem Brand zerstört war, die Domus Aurea.
Sesterz des Nero (um 64 n. Chr.), Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Invnr. 18221052; Der Hafen von Ostia aus der Vogelperspektive mit sieben Schiffen. Oben ein Podest mit Neptunstatue, unten der ruhende Flussgott Tiber nach links. Ganz links der sichelförmige Pier mit einer Portikus, rechts sichelförmige Wellenbrecher. |
Dupondius des Nero (um 64 n. Chr.), Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Invnr. 18221772; Aufnahme durch Dirk Sonnenwald; Front des Macellum Magnum, zweigeschossiger Mittelrisalit mit Kuppel und Treppe, zweigeschossige Seitenflügel ungleich hoch. Umlaufende Portikus in allen Geschossen. Im Zentralteil oberhalb der Treppe männliche Statue, Zepter haltend. Beiderseits S - C. |
Benjamin van der Starre, 2. Mastersemester (Universität Heidelberg)