Der Revers der folgenden Münze bildet eine kniende Figur ab, die einer erhöht thronenden Figur einen Olivenzweig entgegenstreckt. Im Rücken des Thronenden kniet eine weitere Person, deren Hände hinter den Rücken gefesselt sind. Was – und wer – ist hier nun genau dargestellt?
Bei der Deutung der Szene hilft die Beischrift „FELIX“, die sich sowohl auf dem Original als auch auf der Restitutionsmünze befindet (bei vorliegendem Exemplar nicht mehr lesbar, vgl. Protoyp M2): Bei der Darstellung handelt es sich um einen Verweis auf den Jugurthinischen Krieg (111-105 v. Chr.), benannt nach dem Kriegsgegner der Römischen Republik – König Jugurtha von Numidien.
Die thronende Figur stellt nämlich den römischen Feldherrn und Diktator Sulla (138-78 v. Chr.) dar, der den Beinamen Felix trug. Dieser überreicht in der abgebildeten Szenerie dem mauretanischen König Bocchus einen Olivenzweig als Zeichen der Versöhnung. Bocchus wiederum war Jugurthas Schwiegervater. Nach einer vernichtenden Niederlage gegen die römischen Truppen hatte Jugurtha Zuflucht bei ihm gesucht. Weil er aber keinen Konflikt mit Rom riskieren wollte, lieferte Bocchus seinen Schwiegersohn an Sulla aus. In der gefesselten Person dürfen wir somit den verratenen Jugurtha erkennen.
Das ist nur ein Beispiel für die zahlreichen militärischen Motive der Restitutionsmünzen. Ähnliche Unterwerfungsszenen finden sich beispielsweise nach den Dakerkriegen auch zuhauf in der übrigen traianischen Münzprägung. Die restituierten historischen Kriegs- und Triumphszenen verwiesen für den antiken Betrachter somit zugleich auf die politische Gegenwart. Mit diesen sowie seinen eigenen Siegesdarstellungen reihte sich Kaiser Traian in die Reihe der großen militärischen Erfolgen der römischen Geschichte ein.
Franziska Nober, Universität Heidelberg